„Genau das habe ich erwartet!“

Zum Interview des Inforadios mit dem bayerischen Innenminister Joachim Hermann vom 13. November 2017

www.inforadio.de
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Am 13. November 2017 habe ich bei Inforadio ein Interview mit dem bayerischen Innenminister Joachim Hermann zu den laufenden Jamaika-Sondierungen gehört. Am Ende des Interviews war ich einmal mehr so schlau wie zuvor. Ich wunderte mich, dass es heutzutage überhaupt ein Forum für inhaltsarme Interviews gibt und wundere mich, dass dies nicht geändert wird.

Aber ich habe auch an meiner eigenen Wahrnehmung gezweifelt. Vielleicht bin ich es, politisch voreingenommen gegenüber der CSU, der das Interview nicht richtig wahrnimmt. Also habe ich das Interview einem Deutsch-Leistungskurs* vorgespielt.

Provokante Fragen und ausschließlich ausweichende Antworten

Zuerst wurde festgestellt, dass „die Antworten nicht ordentlich und korrekt gegeben“ werden. Sie „drehen sich stets um den heißen Brei“ herum, selbst wenn „die Fragen eine direkte Antwort verlangen“. Der Politiker „lenkt immer von der Antwort ab und in ein neues Thema ein“. „Genau das habe ich erwartet!“, sagt ein Schüler.

Es bin also nicht nur ich, der die Antworten des Politikers als unangemessen empfindet. „Politiker reden, reden und reden. Sie dürfen eine Frage nicht beantworten.“

Auf der anderen Seite wurde kritisiert, dass der Interviewer nicht neutral gefragt habe. Die „Fragen sind klar, aber provokant“ gestellt. Der Wunsch des Kurses ist, dass der „Interviewer neutral sein sollte“.

„Interviewregeln ändern“

Interessanter als diese Feststellung des Status quo in Sachen Politikerinterviews sind die anschließenden Vorschläge für Änderungen. Denn für die SchülerInnen ist klar, um gute Antworten von den Medienprofis Politiker zu erhalten, muss man die „Interviewregeln ändern“.

Da die Antworten nahezu Ausflüchte sind, sollten „Nachfragen“ schneller und gezielter eingesetzt werden. „Wenn die Antwort nicht auf die Frage eingeht, direkt nachfragen.“ Zudem sollte ein Politiker „Begründungen für seine Forderungen“ anbringen. Natürlich wollen alle Parteien und Politiker das Klima schützen, die Familie stärken, die Ernährung sichern und die Bildungsmöglichkeiten verbessern. Aber keiner sagt, wie er das alles tun will.

„Es darf nur mit Ja, Nein geantwortet werden“, ist ein weiterer Vorschlag, der insofern sinnvoll ist, als er allen Ausflüchten und allen Ablenkungen ein Ende setzt. Gewünscht werden auch „Zuschauerfragen“.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass solche Interviews (insbesondere das Antwortverhalten des Politikers) das Vertrauen in die Politik zerstören, wenn es nicht schon längst zerrüttet ist. Bevor solche Interviews also zur kompletten Farce verkommen, sollte man sie ändern oder abschaffen. Denn wenn nur ausweichende, inhaltsarme Antworten gegeben werden und SchülerInnen lapidar feststellen, „genau das habe ich erwartet“, dann haben wir ein Glaubwürdigkeitsproblem und es wäre fahrlässig zu glauben, dass dies letztlich nicht auch die Glaubwürdigkeit der Demokratie betrifft.


* Die Berliner SchülerInnen sind zwischen 17 und 19 Jahre alt und haben das Interview weitgehend selbständig diskutiert. Man muss bedenken, dass diese Schüler gerade Erstwähler waren oder es bald sein werden. Der Einfachheit halber zitiere ich keine individuellen SchülerInnen, sondern nur den Deutschkurs als Ganzen. Die Grammatik habe ich für eine bessere Lesbarkeit des Fließtextes angepasst. Natürlich habe ich darauf geachtet, dass der Sinn nicht entstellt wird.

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