27. Oktober 2020

Pflichtlektüre für Fleischesser

Foer, Jonathan Safran: Tiere essen, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010

Drei Alpacas

„Die Strippenzieher der Massentierhaltung wissen, dass ihr Geschäftsmodell darauf angewiesen ist, dass der Verbraucher nicht sehen (oder davon hören) kann, was sie tun.“ (Seite 106) Mit seinem Buch „Tiere essen“ hat der amerikanische Autor Jonathan Safran Foer das Buch geschrieben, welches das Geschäftsmodell der Massentierhalter sichtbar macht. So brutal, so unwürdig, so unglaublich wie es ist.

Ohne jeglichen moralischen Kompass

Foer macht in seinem Buch sehr deutlich, welche Folgen unser Fleischkonsum für Umwelt und Gesundheit hat und welches Tierleid damit verbunden ist. So achtlos und grausam die Tötungsmethoden heute sein mögen, immerhin seien sie der Schlusspunkt unter ein lebenslanges Leiden, dessen einziger Sinn darin besteht, zu Nahrung heranzuwachsen oder dazu beizutragen.

Das gesamte System der Massentierhaltung funktioniert nur, weil die Tiere nicht als Tiere, sondern als Ware behandelt werden. Bezeichnend dafür sind zwei Beispiele. Da wenig Bewegung für die Halter von Vorteil ist, auf diese Weise werden Kalorien nicht unnötig verbrannt, sondern in Körpermasse umgewandelt, leben die Tiere so beengt es möglich ist. Sie leben so eng, dass manche Tiere darum sterben (Krank sind sowieso nahezu alle). Hier setzt das zweite Beispiel ein. Im System der Massentierhaltung ist ein Prozentsatz an toten Tieren einkalkuliert. Ein paar tote Tiere sind ökonomisch wertvoller als der Ansatz die Tiere so umsichtig zu pflegen, dass möglichst alle gesund und am Leben zu bleiben. Die Tiere sind nur noch Zahlen, zugelegte Fleischmasse in Kilogramm pro Lebenstag, und keine Lebewesen mehr.

Der moralische Kompass für das Leid der Tiere, für die Perversität dieses Ansatzes, ist vollkommen abhanden gekommen. Die Menschen achten Dinge wie Handys, Handtaschen, Haushaltsgeräte mehr als diese Lebewesen.

Fleischkonsum aus Massentierhaltung ist Umweltverschmutzung im großen Stil

Die Auswirkungen auf die Umwelt zum Beispiel sind so gigantisch, dass es fast irre wirkt, dass diese nicht stärker diskutiert werden: „Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung trägt 40 Prozent mehr zur globalen Erwärmung bei als der gesamte Transportverkehr weltweit; sie ist die Ursache Nummer eins für den Klimawandel.“ (Seite 55)

Warum das so ist? Für eine Kalorie aus tierischem Fleisch müssen sechs bis 26 Kalorien an Futter verzehrt werden. Denn trotz industrialisierter Haltungsbedingungen und damit einhergehend einem Minimum an kalorienverbrauchender Bewegung für die Tiere wird nur ein kleiner Bruchteil der Nahrung in Fleisch umgewandelt. Tierisches Leben kostet Kalorien! All die verbrauchten Kalorien sind potentielle pflanzliche Nahrungsmittel, die auch direkt gegessen hätten werden können. Kurz: Der Verzehr von Fleisch kommt der Vernichtung riesiger Lebensmittelmengen gleich.

Klare Sprache, deutliche Botschaft

Jonathan Safran Foer schreibt, wie man es von einem Schriftsteller seines Rangs erwartet, lebendig, eindringlich, klar. Er bleibt objektiv und bezieht dennoch Position. Er gibt aber auch anderen Stimmen Raum, zum Beispiel hier der eines Farmers, der Wert auf das Tierwohl legt: „Ich kann es nicht leiden, wenn Verbraucher so tun, als würden die Farmer diese Dinge [Massentierhaltung unter unwürdigsten Bedingungen] wollen, wo doch in Wahrheit der Verbraucher dem Farmer sagt, was er produzieren soll. Sie wollten billiges Essen. Haben wir produziert. Wenn sie Eier wollen, die nicht aus Käfighaltung stammen, müssen sie deutlich mehr dafür bezahlen. Punkt.“ (Seite 116)

Insgesamt ist „Tiere essen“ verpflichtende Lektüre für alle, die nicht auf ihr tägliches oder wöchentliches Steak, Schnitzel, Fleisch verzichten wollen. Danach kann man auf jeden Fall nicht mehr sagen, man habe nichts vom Leid der Tiere, von der damit einhergehenden Umweltverschmutzung oder den gesundheitlichen Risiken gewusst. Erst mit diesem Wissen darf man sich zum Fleischkonsum entscheiden – wenn man dann überhaupt noch Lust darauf hat.

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