
Sachbuch: Roig, Emilia: Das Ende der Ehe. Für eine Revolution der Liebe, Ullstein Verlag, Berlin 2024, 2. Auflage
Beginn: 02.02.2026
Tag 13: Machtdynamiken und normierte Geschlechterrollen
Schon über 120 Seiten beschreibt und analysiert Roig, wie die Machtdynamiken, die den normierten Geschlechterrollen innewohnen, die Frau klein halten und den Mann oben. Sie beschreibt damit das Patriarchat zwar treffend, aber wenig effektiv. Bisweilen wirkt das Buch anekdotisch, insbesondere wenn es um den Exmann der Autorin und ihre geschiedene Ehe geht.
An anderer Stelle wird das Buch langatmig und zwar dann, wenn Roig von „vielen“ Männern schreibt oder von „vielen“ Frauen oder, wenn in „vielen“ Situationen jenes geschehe. Denn vieles bedeutet eben nicht alles und bedeutet in diesem Buch häufig: ich beobachte und ich meine. Dann kann man dem Geschriebenen folgen und innerlich mit dem Kopf zustimmend nicken; es sogar beim Lesen ganz wirklich tun. Zugleich kann man den Kopf auch verneinend schütteln.
Tag 16: Hausarrest
Etwa in der Mitte des Buchs beschreibt Roig, welche Auswirkungen die traditionelle Paarbeziehung, und damit war in den letzten 200 Jahren meist die Ehe gemeint, auf das Geschlechterverhältnis hat. Die Frau leistet demnach innerhalb der Ehe unentgeltliche Care-Arbeit, während der Mann zur Arbeit geht und Geld verdient. Somit entlastet die Frau einerseits den Staat, weil sie unentgeltlich Arbeit leistet und andererseits wird sie auf diese Weise finanziell Abhängig vom Mann, was dessen Machtposition stärkt. Dies ist in den 2020er Jahren unter progressiven Menschen allgemein anerkannt.
Insofern geht die Schlussfolgerung Roigs auch nur einen Trippelschritt weiter: „Wenn Frauen allein oder außerhalb heterosexueller Beziehungen leben, bedroht dies den Staat und die Fähigkeit der Gesellschaft ihre unbezahlte Arbeit auszubeuten.“ (S. 130) Dies gilt umso mehr, als der Staat als weiß, männlich und aus der Mittelschicht kommend charakterisiert wird. Der Staat ist das Patriarchat und das Patriarchat ist der Staat.
Ein Hausarrest entsteht, weil Männer die Gewalt über das Geld nutzen, um ihre Machtposition gegenüber den Frauen zu erhalten (vgl. S. 131). Roig zieht hier den Irischen Literaturnobelpreisträger George Bernard Shaw heran. Dessen Aussagen mögen zwar noch in Teilen aktuell sein – gleichzeitig spiegeln sie in anderen Teilen nur noch sehr bedingt unsere gesellschaftliche Lebensrealität wider.
Natürlich kontrollieren Männer auch heute noch den Zugang zu Geld bzw. sie haben es einfacher und Frauen haben es schwieriger. Aber es sind keine selbsterfüllenden Prophezeiungen mehr. Eine Frau kann sich entscheiden, für sich selbst zu sein, auch wenn sie dafür strukturell benachteiligt wird – sie kann es tun. Dieser Fakt fällt hinten runter, wenn Roig im Jahr 1928 Zitate sucht.