Stupid, Stupid, Crazy

Filmbesprechung: Crazy, Stupid, Love (2011)

Dank des Google Übersetzers kann die Besprechung auch in Englisch gelesen werden: Stupid, Stupid, Crazy

Als ich den Film „Crazy. Stupid. Love“ eingelegt habe, erwartete ich eine romantische Komödie mit unzeitgemäßen Moralvorstellungen und der Möglichkeit manchmal zu lachen – so wie bei allen Hollywood-Komödien. Tatsächlich gab es wenige lustige Szenen und knüppeldicke alttestamentarisch blöde Moralvorstellungen.

Der Weg der Männlichkeit

In dem Film geht es um die Ehe von Cal und Emily Weaver. Nach mehr als 20 Jahren ist die Luft raus, die Ehe schlecht. Die Partner nehmen sich als selbstverständlich, bis Emily mit einem One Night Stand diesen gelebten Stillstand in Bewegung setzt. Die Frau macht den ersten sündhaften Schritt „und sie nahm von der Frucht“ (1. Mose, 3.6) und verstößt beide aus dem Paradies Ehe, welches ohnehin schon länger keines mehr war.

Cal, der gehörnte Ehemann, zieht aus und verliert sich in Selbstmitleid. Er hätte dies bis ans Ende seiner Tage getan, wenn ihm nicht der Pick-Up-Artist Jacob Palmer wie ein rettender Engel gelehrt hätte wieder männlich zu sein. Männlichkeit ist, sich zu kleiden, als sei man erfolgreich und sehr bestimmt aufzutreten. Der Mann gibt den Weg vor, den die Frau anschließend gehen wird: „dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein (1. Mose, 3.16)“.

Natürlich galt dieses Männlichkeitsbild schon 2011, dem Erscheinungsjahr des Films, als veraltet. Aber es wurde von einer Hollywood-Mainstream-Komödie propagiert. Insofern ist die Aktualität der Metoo-Kampagne nicht verwunderlich. Die westliche Welt lebt in leider zu großen Teilen ein Männlichkeitsbild, welches einerseits zwar offiziell geächtet ist und andererseits zugleich jedoch für Erfolg steht und wohl auch zu Erfolg führt. Zum Schein pochen die Männer auf Gleichberechtigung. Im Sein genießen sie die Ungerechtigkeit.

Das Verhältnis der Liebe

Cal zahlt seiner Ehefrau den Betrug nach dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (2. Mose, 21.24) heim. Die Psychologie hat herausgefunden, dass in einer Partnerschaft rund fünf gute Dinge geschehen müssen, um eine schlechte Erfahrung oder Situation auszugleichen. So funktioniert die menschliche Psyche. Cal allerdings lebt sich im Verhältnis 9:1 aus. Er schläft nach der Belehrung durch Jacob mit neun verschiedenen Frauen, um den einmaligen Fehltritt seiner Frau zu sühnen.

Dieses ungleiche Verhältnis zementiert die patriarchale Gesellschaft. Der Mann ist in „Crazy, Stupid, Love“ legitimiert die größere Anzahl an sexuellen Erfahrungen zu sammeln.

Wer verfällt schließlich diesem Mid-Age-Aufreißer? Die eigene Frau natürlich, die bald schon feststellen musste, dass ihr Leben ohne ihren Mann ziemlich leer ist. Man könnte also sagen, dass der Ehefrau weniger die eheliche Partnerschaft gefehlt hat und mehr dieser Typ Mann, der sich nimmt, was er will. Oder man muss feststellen, dass eine Frau alleine nichts mit sich anzufangen weiß, während der Mann allein seine Tatkraft wiederfindet und zu einer besseren Version seiner selbst reift. Dazu habe ich zwar keine Bibelstelle gefunden, aber die dahinter stehende Geisteshaltung scheint ebenso alt zu sein.

Die geschlechtermoralische Aussage des Films ist auf ziemlich allen Ebenen lächerlich.

Gelacht wird auch

Lustig ist der Film, weil er sein Figurenpersonal geschickt verknüpft. Im Mittelpunkt steht Cal, der von seiner Frau verlassen und von Jacob gerettet wird. Sein 13jähriger Sohn liebt die 17jährige Babysitterin, die wiederum Cal liebt, weil er der netteste aller Babysitter-Väter ist. Der Vater der Babysitterin ist mit Cal befreundet, entscheidet sich nach der Trennung jedoch mit seiner Frau für Team-Emily.

Jacob, der Cal schließlich von der Abwärtsspirale des stetig wachsenden Selbstmitleids erlöst, verbringt jeden Abend in einer Bar, in der fast ausschließlich Frauen verkehren, die Models sein könnten. Die Frauen sind immer alleinstehend, jung und einer neuen sexuellen Erfahrung mit einem Mann, der ihnen sagt, wo es langgeht, nicht abgeneigt. Wie jeder weiß, finden sich solche Kneipen in jeder kleineren Stadt.

Jacob verliebt sich dann allerdings in Hanna, die gerade aus einer Beziehung mit einem trocken-langweiligen Anwalt kommt und, wie man später herausfinden wird, die erwachsene Tochter von Cal und Emily ist. Natürlich kann Cal Jacob nicht als einen Schwiegersohn in spe akzeptieren. Aus diesen Verwirrungen entstehen lustige Szenen.

Patriarchale Haltung des Films überschattet alles

Zu der patriarchalen Haltung des Films gehört es, dass Cal sein eigenes Handeln als gerechten Ausgleich für das entstandene Unrecht empfindet. Wenn es aber um Jacob geht, der eine Frau aus Cals Clan begehrt, dann ist dasselbe Handeln verwerflich. Wenn ich betrogen werde, dann ist das schrecklich und verächtlich. Wenn ich betrüge, dann gibt es gute Gründe und eigentlich sagt der Betrug nichts über den Stand der Beziehung aus. So argumentieren Männer.

Der Film endet damit, dass betont wird, ein jeder Mensch habe genau einen Seelenverwandten und nichts könne die Liebe zwischen diesen beiden zerstören. Was natürlich Unsinn ist. Eigentlich legt der Film nahe, dass man einem Seelenverwandten einiges zumuten kann, weil man sich danach ohnehin wieder finden wird. Seelenverwandtschaft hält ein bisschen Betrug aus. Was natürlich auch auch Unsinn ist.

Insgesamt hat der Film seine lustigen Szenen, es überwiegen jedoch die unstimmigen Momente und der Film endet in einem Kitsch, der kaum zu ertragen und trotzdem besser ist als die patriarchal geprägten Moralvorstellungen.

Den Film „Crazy, Stupid, Love“ bei Amazon bestellen.

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.