Blutleere Vampire

Filmbesprechung Mitternachtszirkzus

Der Fantasyfilm „Mitternachtszirkus – Willkommen in der Welt der Vampire“ ist ein typischer Film für ein jugendliches Publikum. Die Handlung ist schematisiert, viele Wendungen sind vorhersehbar und die Charaktere eindimensional. Natürlich enthält die erzählerische Standardware auch eine erste Liebe zwischen Teenagern. Über diese Standardkost kommt der Film nicht hinaus. Das Interessanteste ist noch die Geschichte eines Teenagers, der zum Coming-of-Age-Vampir wird.

Vom All-American-Boy zum Vampir

Dabei beginnt der Film sehr vielversprechend mit einem freundlichen, erfolgreichen Jungen aus der amerikanischen Nachbarschaft. Er, Darren Shan, ist gut in der Schule, seine Familie ist intakt und er hat viele Freunde, bei denen er beliebt ist. Hier unterläuft der Film die gängigen Erwartungen, wonach die Hauptfigur in Coming-of-Age Geschichten ein Außenseiter zu sein hat.

Dafür ist Darrens bester Freund, Steve, ein Außenseiter, ein rebellischer Außenseiter. Ein bisschen wie James Dean – wie James Dean in einer Teenager Komödie, nachdem er Twilight zu seinen Favoriten zählt. Ziemlich unwahrscheinlich also. Während Steve also Darren zu Abenteuern ermuntern will, wird Darren von seinem Vater daran erinnert, was ihm in den kommenden 60 Jahren bevorsteht: „ein glückliches, produktives Leben mit Uni, Arbeit und Familie“. Dem Zuschauer ist sofort klar, dass die gutgemeinte Ansprache des Vaters viel stärker zu einem abenteuerlichen Ausbruch auffordert als alle Sticheleien des Freundes.

Der gerade im Ort gastierende Mitternachtszirkus „Cirque du Freak“ wird so zur notwendigen Flucht aus dem drohenden bürgerlichen Leben. Die Vorstellung des Mitternachtszirkus ist andersartig, ausgeflippt und wird, als Steve einen der Freaks als Vampir erkennt, sogar gefährlich. Allerdings wird nicht Steve in einen Vampir verwandelt, der es sich sehnlich wünscht, um seinem trostlosen Alltag zu entfliehen, sondern Darren.

Eine Handlung löchrig wie ein schweizer Käse

Von hier an könnte der Film ins Rollen kommen, interessant werden, einen Sog entwickeln. Wie schlägt sich der All-American-Boy als Vampir? Aber der Film kommt nicht ins Rollen und das liegt daran, dass er selbst nach fast eineinhalb Stunden noch in der Exposition steckt.

Immer wieder wird auf einen schwelenden Konflikt zwischen Vampiren und Vampanese hingewiesen. Man weiß, dass Vampire nicht fürs Essen töten, aber Vampanese schon. Man weiß, dass Darren unweigerlich in diesen Konflikt hinein gezogen wird und später auch Steve. Und man weiß, dass sich ein ominöser, deutlich adipöser Mr. Tiny einen Krieg zwischen den beiden Parteien wünscht. Aber man weiß nicht, warum sich die beiden Parteien überhaupt bekriegen sollten und warum Mr. Tiny sich einen Krieg wünscht.

Es bleibt unklar, warum der Film so vieles im Unklaren belässt und das ist ärgerlich. Symptomatisch dafür ist der folgende kurze Dialog:

Darren: Warum nicht?
Crepsley: Weil ich es so sage!

Das Vorenthalten von Informationen baut normalerweise Spannung auf. Dieser Film wirkt jedoch löchrig, weil das dringend benötigte Hintergrundwissen fehlt. All dies erklärt sich ein wenig, wenn man weiß, dass der Film auf der 12-bändigen Buchreihe „Darren Shan“ von Darren Shan beruht und der im Film dargestellten Handlung noch viele weitere Bücher folgen. Insofern ist der gesamte Film nämlich nichts weiter als eine Exposition für einige folgende Bücher. Das bringt dem Zuschauer des Films trotzdem keinen Genuss.

Vampir sein im Teenager Film

Dort, wo sich gerade keine Löcher in der Handlung befinden, folgt die Handlung allzu bekannten Schemata. Zum Beispiel muss der ehemals beste Freund zum ärgsten Gegenspieler werden. Dafür gibt es keine Motivation, aber es muss eben sein. Auch der Konflikt zwischen den friedlichen Vampiren und den kriegerischen Vampanese wirkt konstruiert. Es muss halt einen Konflikt geben.

Während Vampire bis in die 70er Jahre meist unheimliche, dämonische, von Gott abgewandte Wesen waren, sind sie im Teenagerfilm eher Weltverbesserer, die ihre speziellen Kräfte einsetzen, um Menschen vor allerlei Gefahren zu retten. Darren zum Beispiel weigert sich, Blut zu trinken und sein Mentor Crepsley hat die Methode entwickelt, Menschen zu betäuben, um dann kurz einen der edlen Tropfen zu saugen. Sie sind sozusagen vegetarische Vampire und leiden für Freunde des Genres deutlich an Blutarmut.

Man muss nicht einmal mehr gebissen werden, um ein Vampir zu werden. Es reicht, wenn ein wenig Blut ausgetauscht wird. Dazu werden beide Hände angepikst und schon kann das Blut getauscht werden. Anschließend fühlt man sich kalt und es kann im Herzen weh tun, wenn das Vampirblut dort ankommt. Dafür setzen die Selbstheilungskräfte von Vampiren quasi sofort ein. Eine weitere erste Folge sind gesteigerte Körperkräfte oder große Lust auf rohes Fleisch. Auf der Suche nach Originalität können Vampire in „Mitternachtszirkus“ nicht fliegen (wobei sie das ohnehin selten konnten), aber zumindest sehr schnell laufen. Dabei müssen sie die Luft anhalten – warum auch immer.

Zu allem Überfluss müssen diese ziemlich weichgespülten, von dunklem Verlangen befreiten Vampire Blut trinken, um ihre übernatürlichen Kräfte beizubehalten. Wer anders als die erste Liebe gibt dann freiwillig in der finalen Auseinandersetzung einen Teil ihres Blutes, damit Darren alle retten kann?

Fazit

Der Film endet so unbefriedigend wie er es die ganze Zeit gewesen ist. Das Ende ist keines. Die große Schlacht ist geschlagen, ein Böser dabei getötet worden, aber dann gehen der Tiny Man und Steve einfach, auch Darren geht und der Abspann läuft. Um als Film überhaupt eine Berechtigung zu haben, bräuchte es wegen der vielen losen Enden eine, mehrere Fortsetzungen. Da der Film aber aufgrund dieser losen Enden ohnehin schon langweilig war, ist es wahrscheinlich besser, dass es keine Fortsetzung gibt. Besser eine Ende mit Schrecken, als ein schlechter Fantasyfilm ohne Ende.

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