Die rotzig schnodderigen Gedichte des Charles Bukowski

Der Band umfasst neben poetisch geformten Texten, eine Kurzgeschichte und einen Briefwechsel. Die Gedichte selbst wirken wie extrem verkürzte Kurzgeschichten, so stark verkürzt, dass sie sich in Form und Länge der Poesie angenähert haben. Den Tonfall der rotzigen Schnoddrigkeit des Prosawerks haben auch die Gedichte inne. Und sie sind – genau wie Bukowskis Short Storys – geprägt durch ihren stark autobiographischen Charakter. Zentrale Themen sind die Trias Alkohol, Tod und triebhafter Sex. Böswillig könnte man behaupten, die poetische Höhe sei somit kaum höher als der Rinnstein. Zumal der alkoholkranke Mann genauso an der Gesellschaft wie an sich verzweifelt und beides nicht ausstehen kann. Diese angenommene Nähe zwischen Lebensführung des Autors und seinem poetischen Ich verleiht den Gedichten eine pikante Note.

Bukowskis Gedichte leben von ihrer direkten, unverblümten Sprache, von dem Strom, den die handlungsorientierten Gedichte erzeugen. Sie haben das pointenhafte, was der Gattung Gedicht gemeinhin nachgesagt wird. Gleichzeitig sind sie – und das ist eine von Bukowskis eigentümlichen Stärken – frei von Pathos. Wozu gehört, dass Bukowski keine verklausulierten Metaphern verwendet, die der Leser erst mühsam entschlüsseln müsste. Mit Metaphysik, Transzendenz und interesselosem Wohlgefallen, also was man allgemein unter klassischen Kunstgenuss versteht haben die Gedichte Bukowskis nichts gemeinsam. Gerade darum werden manche Gedichte ganz leicht, heben ab und erreichen mühelos eine andere, poetische Sphäre.

Der folgende Auszug aus dem Gedicht „Ein Tag im Leben des C.B.“ beinhaltet die wichtigsten Elemente – autobiographische Verquickung, nicht poetisch überhöht, eine klare Pointe – und hinterlässt einen guten Geschmack von Bukowskis Poesie:

„…und ich streckte mich und streckte mich
und sah zu wie die Sonnenstrahlen
durch die Bäume schienen, und es gingen mir
keine großen und schönen und unsterblichen
Gedanken durch den Kopf,
und das war das beste
daran…“

Insgesamt unterläuft Bukowski mit seinen Gedichten die Erwartung, die die Gesellschaft an das Individuum stellt und zeigt – auf eine beinahe simple Weise – wie einfach und zugleich schwierig es ist, sein Leben selbstbestimmt zu leben. Nebenbei gibt der Gedichtband ganz bodenständig, ja bodensätzig, die existenzielle Haltung des Nihilismus wieder. Diese Verzweiflung an der Welt, die sonst nur großen, labilen, künstlerischen Geistern vorbehalten ist, wird mit Bukowski ganz irden und sucht den Ausweg in Pferdewetten, Sex und Alkohol. Die Gedichte bringen zwei Lebensrealitäten zusammen, die überhaupt nicht zueinander passen, und strahlen dabei die Lethargie des Zufriedenen aus.

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