{"id":830,"date":"2018-04-05T12:28:51","date_gmt":"2018-04-05T10:28:51","guid":{"rendered":"http:\/\/buchtaleck.eu\/?p=830"},"modified":"2018-04-05T12:44:58","modified_gmt":"2018-04-05T10:44:58","slug":"die-optionen-einschraenken-das-problem-der-freien-entscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buchtaleck.eu\/?p=830","title":{"rendered":"Die Optionen einschr\u00e4nken. Das Problem der freien Entscheidung"},"content":{"rendered":"<p><em>Schwartz, Barry: Anleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger gl\u00fccklicher macht<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: 1.125rem;\">Auch interessant:\u00a0<a href=\"http:\/\/buchtaleck.eu\/?p=834\">F\u00fcnf goldene Regeln zur Entscheidung <\/a><\/span>(nach Henning Beck)<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Anleitung-zur-Unzufriedenheit-weniger-gl%C3%BCcklicher\/dp\/3548368670\/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;qid=1522923858&amp;sr=8-1&amp;keywords=Anleitung+zur+Unzufriedenheit:+Warum+weniger+gl%C3%BCcklicher+macht&amp;dpID=61ZIBCBWspL&amp;preST=_SY264_BO1,204,203,200_QL40_&amp;dpSrc=srch&amp;linkCode=li3&amp;tag=bastianbuchta-21&amp;linkId=4c60c9a56ca5500b1f736e8ab3efaa0f\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;ASIN=3548368670&amp;Format=_SL250_&amp;ID=AsinImage&amp;MarketPlace=DE&amp;ServiceVersion=20070822&amp;WS=1&amp;tag=bastianbuchta-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"https:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=bastianbuchta-21&amp;l=li3&amp;o=3&amp;a=3548368670\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/>Es f\u00e4llt vielen Menschen schwer in einer Situation des konstanten \u00dcberflusses, wie wir ihn aktuell erleben, eine Entscheidung zu f\u00e4llen und je gr\u00f6\u00dfer die Entscheidungsfreiheit ist, desto schwerer. Beim Kauf einer neuen Jeans ging es dem amerikanischen Professor Barry Schwartz so. Die gro\u00dfe Auswahl an verschiedenen Farben und Passformen verunsicherte ihn. Er wusste nicht l\u00e4nger, was er wollte. Diese unerwartete Entscheidungsschw\u00e4che war der Ausl\u00f6ser f\u00fcr sein Buch \u201eAnleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger gl\u00fccklicher macht\u201c.<\/p>\n<p>Diese Unsicherheit angesichts des \u00dcberflusses trifft uns alle. Um es vorweg zu nehmen, erst nach 225 von 236 Seiten macht Schwartz praktische Vorschl\u00e4ge, wie man unter diesen Umst\u00e4nden mit schwierigen Entscheidungen umgehen k\u00f6nnte. (weiterlesen)<\/p>\n<h4>Der lange Weg zum Kern<\/h4>\n<p>Auf den vorhergehenden 225 Seiten werden die psychologischen und kognitiven Hintergr\u00fcnde des Entscheidens erl\u00e4utert, wobei der Zusammenhang manchmal leicht und ein anderes Mal kaum zu erkennen ist. Hierbei macht Schwartz deutlich, dass die weit verbreitete Methode des Gegen\u00fcberstellens von Pro- und Kontraargumenten nur scheinbar rational ist. Denn gerade die Folgen bei schwerwiegenderen Entscheidungen k\u00f6nnen nicht vorweggenommen werden. Die menschliche Psyche unterliegt hierbei mehreren Fehlern, das Urteilsverm\u00f6gen ist verzerrt, man kann sich nicht darauf verlassen.<\/p>\n<p>Bei der Darstellung dieser Fehlerquellen bezieht sich Schwartz auf die wichtigen Arbeiten von Kahneman und Tversky, wie es die wohl meisten Autoren tun, die im Gebiet der Kognitionswissenschaft forschen und publizieren. Dargestellt werden die Effekte der Verankerung, der Versunkenen Kosten, des Besitztums, der Nichtber\u00fccksichtigung von Rahmenbedingungen und noch mehr. All diese Effekte beschreiben Verzerrungen der Wahrnehmung oder Auff\u00e4lligkeiten im Verhalten.<\/p>\n<p>Im Verlauf des Buchs geht Schwartz auf verschiedene Bereiche des Lebens ein, in denen wir die freie Wahl haben: Einkaufen, Religion, Bildung und viele weitere. Die Art, wie Schwartz seine Erkenntnisse pr\u00e4sentiert, ist unterhaltsam, nachvollziehbar und \u00fcberzeugend, auch wenn es lange dauert, bis er zu seinen zentralen Erkenntnissen kommt.<\/p>\n<h4>Warum gute Entscheidungen selten sind<\/h4>\n<p>Die Schwierigkeit einer guten Entscheidung besteht darin, dass zu viele Wahlm\u00f6glichkeiten zu Unsicherheit und Ungewissheit f\u00fchren, die dann die menschliche Psyche l\u00e4hmen. Entscheidungs\u00fcberfluss f\u00fchrt zu Entscheidungsschw\u00e4che. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn die Entscheidungen langfristiger Natur sind. Wenn ich mich nur f\u00fcr ein Essen entscheide und die Entscheidung war nicht gut, dann schmeckt mir das Essen nicht oder ich \u00e4rgere mich \u00fcber das ausgegebene Geld. Wenn dies aber bei der anfangs erw\u00e4hnten Jeans passiert oder bei einem Computer, so muss ich f\u00fcr die Lebensdauer des Produkts damit leben. Insofern erh\u00f6ht sich der Druck f\u00fcr eine gute Entscheidung enorm.<\/p>\n<p>Denn meist muss man andere M\u00f6glichkeiten aufgeben, um etwas zu bekommen. Wenn ich mich f\u00fcr ein Auto entscheide, verwerfe ich damit viele andere Autos und damit viele andere M\u00f6glichkeiten. Dasselbe gilt f\u00fcr eine Frisur, ein Date, ein Smartphone. Egal wie die Entscheidung getroffen wird, es gibt immer auch Alternativen, die man h\u00e4tte w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Daraus entsteht das Problem des Bereuens, welchem Schwartz ein eigenes Kapitel widmet.<\/p>\n<h4>Nichts bereuen<\/h4>\n<p>Nicht nur die verpassten Alternativen reizen dazu, die gemachte Entscheidung zu bereuen. Auch die menschliche Psyche neigt dazu: Ist unsere Entscheidung gut gewesen, aber wir haben mehr erwartet, dann sind wir mit unserer Entscheidung weniger gl\u00fccklich, als wenn wir eine zwar schlechte Entscheidung getroffen, aber ein noch schlechteres Ergebnis erwartet haben. Zumal man nur gl\u00fccklich ist, wenn das Ergebnis die Erwartung dessen deutlich \u00fcbertrifft. Wir neigen also grunds\u00e4tzlich eher dazu eine Entscheidung zu bereuen als sie zu genie\u00dfen. So paradox kann die menschliche Psyche sein.<\/p>\n<p>Mit dieser Psychologie der Erwartung kann auch erkl\u00e4rt werden, dass der Gl\u00fccksquotient, der die Lebenszufriedenheit beschreibt in Amerika seit einer Generation stetig sinkt, obwohl der Wohlstand ebenso stetig steigt. Nicht der materielle Wohlstand macht gl\u00fccklich, sondern unsere Erwartung, wie viel Wohlstand uns zustehen sollte. Diese Erwartung ist keine objektive Gr\u00f6\u00dfe, sondern wird \u00fcber den sozialen Vergleich gesetzt.<\/p>\n<p>Schwartz schlie\u00dft ab mit der Feststellung, dass das Anwachsen der Auswahlm\u00f6glichkeiten drei negative Folgen nach sich zieht:<br \/>\n\u2022 Entscheidungen ben\u00f6tigen mehr Aufwand<br \/>\n\u2022 Fehlentscheidungen werden wahrscheinlicher<br \/>\n\u2022 die psychologischen Folgen einer Fehlentscheidung sind schmerzhafter (gravierender)<\/p>\n<h4>Maximierer und Satisficer<\/h4>\n<p>Besonders anf\u00e4llig f\u00fcr diese negativen Folgen sind die Menschen, die Schwartz als \u201eMaximierer\u201c bezeichnet. Diese wollen immer die bestm\u00f6gliche Entscheidung treffen und investieren darum am meisten Zeit und sind besonders anf\u00e4llig daf\u00fcr, ihre Entscheidung sp\u00e4ter zu bereuen. Sie sind gefangen in ihrer Wahlfreiheit und drehen sich darin wie ein Hamster in seinem Hamsterrad. Immer auf der Suche nach einem nicht zu erreichendem Optimum.<\/p>\n<p>Das psychologisch gesehen gesunde Gegenst\u00fcck zum Maximierer ist der \u201eSatisficer\u201c. Er \u00fcberlegt, welches Ergebnis seinen Anforderungen gen\u00fcgen w\u00fcrde \u2013 es muss nicht das Beste sein. \u201eGut genug\u201c ist das Ziel des Satisficers. Dies spart ihm viel Zeit und sp\u00e4tere Entt\u00e4uschungen.<\/p>\n<h4>\u201eGut genug\u201c als erfolgreichste Entscheidungsstrategie<\/h4>\n<p>Anders als man meinen m\u00f6chte, h\u00e4ngt die Zufriedenheit mit einer Entscheidung weniger mit der objektiven Qualit\u00e4t des Ergebnisses zusammen, wie sie der Maximizer anstrebt. Vielmehr bemisst sich die Zufriedenheit an der inneren, subjektiven Erwartung. Dies erinnert an den Satisficer mit seiner angepassten Erwartung. Hieraus leitet sich die erste Entscheidungsstrategie ab. Man soll nicht nach dem besten Angebot suchen, sondern sich genau \u00fcberlegen, welche Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden sollen und dann sucht man nach dem Angebot, was \u201egut genug\u201c ist. Dies ist, was die Satisficer tun. Es mag dann noch Wahlm\u00f6glichkeiten geben, die die Bed\u00fcrfnisse noch besser befriedigen k\u00f6nnten, aber f\u00fcr diese interessiert sich der Satisficer nicht mehr.<\/p>\n<p>Hierbei hilft die zweite Strategie, die sagt, man solle die Auswahl verringern. Man solle nur zwei, maximal drei Angebote einholen, vergleichen und dann bald seine Entscheidung treffen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, was es sonst noch geben k\u00f6nnte. Dies spart Zeit und sp\u00e4tere Reue. Die Entscheidungsstrategien sind darauf ausgelegt, dass man nicht nur wei\u00df, warum weniger mehr ist, sondern auch, wie man zu diesem Weniger gelangen kann.<\/p>\n<p>Eine dritte Entscheidungshilfe ist, dass nur Entscheidungen getroffen werden, die auch wirklich getroffen werden m\u00fcssen. Dazu geh\u00f6rt, dass man dieselben Dinge immer wieder tut und einkauft, so lange, bis sie wirklich eine Entt\u00e4uschung sind. Man soll sich auch nicht von neuen und verbesserten Angeboten locken lassen oder wie Schwartz es ausdr\u00fcckt: nicht kratzen, bevor es juckt.<\/p>\n<p>Der letzte Hinweis bezieht sich auf die Zeit nach der Entscheidung. Wie zuvor schon deutlich wurde, bemisst sich die Zufriedenheit mit einer Entscheidung weniger an ihrem objektiven Erfolg und mehr an dem subjektiven Erleben. Also solle man seine Erwartungshaltung reduzieren. Auf diese Weise steigert sich das subjektive Wohlbefinden, da man keine schlechten Entscheidungen mehr bereuen muss. \u201eGut genug\u201c eben.<\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>Nicht von ungef\u00e4hr erinnert \u201eAnleitung zur Unzufriedenheit\u201c an das Buch \u201eDie Geschichte der O\u201c von Pauline R\u00e9age. In deren sadomasochistischen Roman geht es um weibliche Unterwerfung. Auf den ersten Blick ist es unverst\u00e4ndlich, wie man so sehr die eigene Kontrolle aufgeben und sich der Macht eines anderen unterordnen kann. Aber es wird im Verlauf klar, dass man durch die Aufgabe der Kontrolle viel st\u00e4rker im Jetzt lebt, man kann sich ganz der aktuellen Situation hingeben. Etwas sehr \u00e4hnliches fordert Schwartz mit seinem Sachbuch. Die Einschr\u00e4nkung der potentiellen Wahlm\u00f6glichkeiten beschreibt er folgerichtig als befreiend und nicht als einschr\u00e4nkend.<\/p>\n<p>Insgesamt zeigt Schwartz in seinem lesenwerten Buch, dass mehr Wahlm\u00f6glichkeiten zwar mehr Freiheit bedeuten, aber zugleich auch eine \u00dcberforderung darstellen. Zur Entscheidungsfindung muss mehr Energie aufgewandt und mehr verglichen werden und dennoch bleibt anschlie\u00dfend die Unsicherheit, ob man nicht doch besser anders gew\u00e4hlt h\u00e4tte. Die Freiheit der Wahl ist zugleich die Unfreiheit des W\u00e4hlen m\u00fcssens. Dagegen schreibt Schwatz an.<\/p>\n<p>In der Essenz bleibt die simple moralische Botschaft: Die Zeit, die wir zur Entscheidungsfindung aufwenden, fehlt dann bei einem guten Freund, der Ehefrau, den Kindern oder f\u00fcr die Gesellschaft bzw. Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Das Buch &#8222;Anleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger gl\u00fccklicher macht&#8220; <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2q7ZS4w\">bei Amazon bestellen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwartz, Barry: Anleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger gl\u00fccklicher macht Auch interessant:\u00a0F\u00fcnf goldene Regeln zur Entscheidung (nach Henning Beck) Es f\u00e4llt vielen Menschen schwer in einer &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":831,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[26,48],"tags":[1005,69,998,997,1003,1002,598,1000,31,1004,10,528,999,1001],"class_list":["post-830","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-meinung","category-ueber-buecher","tag-bereuen","tag-besprechung","tag-entscheiden","tag-entscheidung","tag-entscheidungsfindung","tag-entscheidungsstrategie","tag-glueck","tag-gluecksquotient","tag-kritik","tag-reue","tag-rezension","tag-sachbuch","tag-schwartz","tag-strategie"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/buchtaleck.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/schwartz_entscheiden.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8Tjhp-do","jetpack-related-posts":[{"id":834,"url":"https:\/\/buchtaleck.eu\/?p=834","url_meta":{"origin":830,"position":0},"title":"F\u00fcnf goldene Regeln zur Entscheidung","author":"bbuchtaleck","date":"5. 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