{"id":752,"date":"2018-01-27T10:08:10","date_gmt":"2018-01-27T09:08:10","guid":{"rendered":"http:\/\/buchtaleck.eu\/?p=752"},"modified":"2018-01-28T18:08:53","modified_gmt":"2018-01-28T17:08:53","slug":"flach-gemein-dumm-und-laut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buchtaleck.eu\/?p=752","title":{"rendered":"Flach, gemein, dumm und laut"},"content":{"rendered":"<p><em>Filmbesprechung: God Bless America (2011)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Dank des Google \u00dcbersetzers kann die Besprechung auch in Englisch gelesen werden:\u00a0<a href=\"http:\/\/buchtaleck.eu\/?p=756\">Shallow, Mean, Dumb, Loud<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/God-Bless-America-Joel-Murray\/dp\/B00AM94YRY\/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;qid=1517043749&amp;sr=8-1&amp;keywords=god+bless+america&amp;linkCode=li3&amp;tag=bastianbuchta-21&amp;linkId=218102031475caf7a33b2e0fe35b16a5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;ASIN=B00AM94YRY&amp;Format=_SL250_&amp;ID=AsinImage&amp;MarketPlace=DE&amp;ServiceVersion=20070822&amp;WS=1&amp;tag=bastianbuchta-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"https:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=bastianbuchta-21&amp;l=li3&amp;o=3&amp;a=B00AM94YRY\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/>Der Film \u201eGod Bless America\u201c von Bobcat Goldthwait ist eine eher harmlose Satire, die aus der Haltung der moralischen \u00dcberlegenheit das heutige, konsumgetriebene Amerika persifliert, sich moralisch \u00fcberlegen gibt und sich darin leider komplett verrennt.<!--more--><\/p>\n<h4>20 Minuten wirkungsvolle Satire auf das heutige Amerika<\/h4>\n<p>Erz\u00e4hlt wird der Film aus der Perspektive von Frank. Frank ist Ende 40 Jahre alt, geschieden und als Vater wie auch als Arbeitnehmer erfolglos. Bald schon wird er gefeuert und seine Tochter spielt lieber Videospiele, als mit ihrem Vater zu telefonieren und will ihn nur besuchen, wenn er ein Geschenk f\u00fcr sie hat.<\/p>\n<p>Frank hat dauernden Kopfschmerz und Schwierigkeiten beim Einschlafen. Also d\u00e4mmert er vor dem amerikanischen Nachtprogramm vor sich hin. Kandidaten, die in Castingshows verlacht werden. Moderatoren, die frauenfeindlich und rechtsextrem sind. Teenager, die sich in Scripted Reality Formaten unm\u00f6glich benehmen. \u201eDas ist die Welt, in der wir leben\u201c, sagt eine der Fernsehfiguren. Alle Einspieler stellen die existierende Medienlandschaft dar, allerdings ein klein wenig \u00fcberspitzt. Die Folge ist heftiges Zweifeln an der Menschheit. Die ersten zehn Minuten spiegeln als Satire das, wor\u00fcber die Welt lacht, wenn sie an ein dummes, unaufgekl\u00e4rtes Amerika denkt.<\/p>\n<p>Nach knapp 25 Minuten steckt sich Frank die Pistole in den Mund. In einem Kurzfilm fiele an dieser Stelle ein Schuss, der Film h\u00e4tte sein satirisches Statement gemacht und der Abspann w\u00fcrde beginnen.<\/p>\n<h4>Moralisch, zu moralisch, unmoralisch<\/h4>\n<p>Stattdessen trinkt Frank ein Bier.<\/p>\n<p>Auch wenn Frank in seinem Leben nichts hat, so hat er doch eine ablehnende Meinung dem Medienzirkus gegen\u00fcber, den er als \u201eneues Kolloseum\u201c bezeichnet und in dem er die letzten Zuckungen eines untergehenden Imperiums erkennt. Die Parallele zum R\u00f6mischen Reich ist nicht von der Hand zu weisen. Zumal \u201eGod Bless America\u201c kr\u00e4ftig in dieses Horn bl\u00e4st.<\/p>\n<p>Frank ist in seiner Ablehnung der Fernsehformate (die er sich jedoch alle ansieht) sehr streng, teilweise rigide. \u201eWarum soll man eine Zivilisation haben, wenn niemand mehr Interesse hat, zivilisiert zu sein?\u201c, fragt er sich rhetorisch. Er beschlie\u00dft, all jene Menschen zu t\u00f6ten, die menschlichen Anstand vermissen lassen, die keine Scham mehr kennen, die an diesem Medienrummel aus Lachen und Verlachen teilnehmen. Alle die, die moralisch dekadent sind. \u201eIch will nur Menschen t\u00f6ten, die es verdienen zu sterben\u201c, wird zu seinem Dogma<\/p>\n<p>Selbst als M\u00f6rder sieht er sich moralisch \u00fcberlegen.<\/p>\n<h4>Wer im Kino spricht, ist des Todes<\/h4>\n<p>Das erste Opfer ist eine 16j\u00e4hrige Sch\u00fclerin, die im einer Reality TV Show als \u201ePrinzessin\u201c dargestellt wurde. Frank erschie\u00dft die Sch\u00fclerin in ihrem Auto, wird dabei von der 16j\u00e4hrigen Roxy beobachtet, die \u201eAwesome\u201c sagt, statt sich zu f\u00fcrchten. Roxy schlie\u00dft sich Frank an und als er sich als Folge seiner Tat ermorden will, fordert sie ihn auf, \u201ees\u201c auch zu tun \u2013 sie wolle blo\u00df zusehen. Frank bringt sich zum zweiten Mal nicht um.<\/p>\n<p>Und Roxy schl\u00e4gt vor, sie k\u00f6nnten wie R\u00e4cher die Menschen t\u00f6ten, die es verdient h\u00e4tten. \u201eDas macht auch mehr Spa\u00df, als sich selbst zu t\u00f6ten, richtig?\u201c, sagt Roxy. Neben Roxy wirkt Frank auf einmal richtig normal.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Frank sich innerhalb seines Gedankenkonstrukts auf der moralisch richtigen Seite w\u00e4hnt, soll auch der Zuschauer sich mit dieser Position identifizieren. Die Montagen des \u00fcbertriebenen Fernsehprogramms und vor allem das Voice Over, das an Franks innerem Seelenleben teilhaben l\u00e4sst, verf\u00fchren den Zuschauer dazu.<\/p>\n<p>Bl\u00f6derweise verdienen l\u00e4ngst nicht alle Figuren zu sterben, die von Frank und Roxy get\u00f6tet werden. Zum Beispiel werden in einer ziemlich unglaubw\u00fcrdigen Kino-Szene, bei der alle Klischees des schlechten Kino-Benehmens gezeigt werden, laute, telefonierende Teenager sowie ein l\u00fcgender Vater von Frank und Roxy erschossen. Dies funktioniert nur noch innerhalb der Filmlogik, weil die Erschossenen eben keinen Anstand zeigen und es so verdienen, dass man sie t\u00f6tet. Tats\u00e4chlich ist es pervers, Menschen f\u00fcr kleine L\u00fcgen oder Teenager f\u00fcr altersgem\u00e4\u00dfes Verhalten zu t\u00f6ten.<\/p>\n<h4>\u00dcberzeugende Schauspieler \u2013 Figuren weniger \u00fcberzeugend<\/h4>\n<p>Die Schauspieler Joel Murray (Frank) und Tara Lynne Barr (Roxy) spielen ihre Figuren \u00fcberzeugend, wobei die Figur der Roxy als Karikatur angelegt ist und entsprechend \u00fcberdreht dargestellt wird, was weniger herausfordernd sein d\u00fcrfte als die Darstellung des gesellschaftlich abgeh\u00e4ngten Kulturpessimisten Frank. So \u00fcberzeugend die Darstellung der Figuren durch die Schauspieler ist, so wenig \u00fcberzeugend ist die Glaubw\u00fcrdigkeit der Figuren.<\/p>\n<p>Denn eine r\u00e4sonierende Jugendliche, die Morden \u201eAwesome\u201c findet, wird sich in der Realit\u00e4t so leicht nicht finden lassen. Im weiteren Verlauf des Films wird auch die Figur des Frank zunehmend unglaubw\u00fcrdig. Einerseits vermeidet er alles tunlichst, was in seiner Beziehung zu Roxy als sexuell ausgelegt werden k\u00f6nnte \u2013 er will ihr nicht einmal sagen, ob er sie sch\u00f6n findet. Andererseits sind sie Partner auf Augenh\u00f6he, wenn es darum geht, andere Menschen zu t\u00f6ten. Kein Wort der Ermahnung an eine 16j\u00e4hrige, die ihr Leben noch vor sich hat.<\/p>\n<h4>Das gro\u00dfe, vorhersehbare Finale<\/h4>\n<p>Belastet mit diesen moralischen Unklarheiten und einer schwachen Figurenzeichnung, ist die zweite H\u00e4lfte des Films fast schon wirr. Frank und Roxy \u00fcberlegen, nach Frankreich zu fliehen, weil alle Franzosen Amerika hassen w\u00fcrden und Frank erf\u00e4hrt, dass er keinen Hirntumor hat. Der Film rettet sich mit M\u00fche zu dem, was von Anfang an als gro\u00dfes Finale angelegt ist. Frank r\u00fcstet sich mit einer AK 47 aus und begibt sich zu den Liedzeilen \u201eI\u2018m not like everybody else\u201c zu der Finalveranstaltung von \u201eAmerican Superstarz\u201c.<\/p>\n<p>Der Film ist vorhersagbar. Wenn man vom T\u00f6ten absieht, dann ist Frank in dem Wunsch, nicht so zu sein wie alle anderen, genau so wie alle anderen, die Castingshows und Scripted Reality TV als w\u00fcrdelos ablehnen. Alle haben gemeinsam, dass sie anders, einzigartig sein wollen und t\u00e4glich erleben, dass sie im Gro\u00dfen und Ganzen unsichtbar sind. Insofern ist das Verhalten Franks das eines ungl\u00fccklichen Menschen, der keine Freude in seinem Leben mehr hat. Er schimpft nicht, weil die Zust\u00e4nde so schlecht sind, sondern weil ihm in seinem sozial isolierten Zustand das Schimpfen als letzte M\u00f6glichkeit der \u00c4u\u00dferung verblieben ist. An diesem Paradox kommt \u201eGod Bless America\u201c nicht vorbei.<\/p>\n<p>Am Ende t\u00f6ten Frank und Roxy wahl- und ziellos die Besucher der Finalveranstaltung und sterben selbst im Kugelhagel der Security. Zwar hatte sich Frank noch einen G\u00fcrtel aus Dynamit umgeh\u00e4ngt, mit dem er das Studio in die Luft sprengen wollte, aber f\u00fcr die Explosion war wahrscheinlich kein Budget eingeplant.<\/p>\n<p>Insgesamt ist der Film ansehbar, wenn man sich darauf einlassen kann, dass Selbstjustiz ein in der Fiktion m\u00f6glicher Weg ist. Man darf jedoch keineswegs die traurige Hauptfigur Frank mit einem Helden verwechseln und dass der Film selbst dies tut, ist problematisch. Der Film ist vor allem wegen des \u00fcberzeugenden Schauspiels kurzweilig und in der teilweise \u00fcberspitzten Kritik von Amerikas Vergn\u00fcgungssucht unterhaltsam. Leider sind die Figuren nicht glaubw\u00fcrdig angelegt und die Moral l\u00e4uft ins Leere. Was zudem fehlt, ist ein positiv formulierter Gegenentwurf zur satirisch ge\u00e4u\u00dferten Kritik.<\/p>\n<p>So bleibt \u201eGod Bless America\u201c ein sich moralisch gebender Film, der allerdings nur selbstgerecht ist.<\/p>\n<p>Den Film &#8222;God Bless America&#8220; <a href=\"http:\/\/amzn.to\/2BwaRbO\">bei Amazon bestellen<\/a>.<\/p>\n<p>Ich bin auch gerne bereit, den <a href=\"mailto:bbuchtaleck@gmail.com\">Film zu verleihen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Filmbesprechung: God Bless America (2011) Dank des Google \u00dcbersetzers kann die Besprechung auch in Englisch gelesen werden:\u00a0Shallow, Mean, Dumb, Loud Der Film \u201eGod Bless America\u201c &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":754,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[26,47],"tags":[913,912,69,11,917,916,911,914,10,915],"class_list":["post-752","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-meinung","category-ueber-filme","tag-america","tag-amerika","tag-besprechung","tag-film","tag-filmrezension","tag-ironie","tag-kinokontrovers","tag-medienzirkus","tag-rezension","tag-satire"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/buchtaleck.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/godblessamerica.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8Tjhp-c8","jetpack-related-posts":[{"id":756,"url":"https:\/\/buchtaleck.eu\/?p=756","url_meta":{"origin":752,"position":0},"title":"Shallow, Mean, Dumb, Loud","author":"bbuchtaleck","date":"28. 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