Coffee-on-the-run

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Die längste Zeit, die sich Manuel zum Warten gönnt, ist morgens im „Bohnengold“. Dann richtet er seinen Anzug oder er streicht gedankenverloren über seine walnussbraune Wildleder-Aktentasche. Derweil flimmern bei n-tv Bilder aus fernen, fremden Ländern, in denen schlimme Dinge geschehen, begleitet vom Auf und Ab der Aktienkurse. Wo bleibt bloß der Kaffee?

Bohnen und Milch sind streng bio und fair. Meist das letzte Mal am Tag, dass etwas fair ist. Nach dem „grüngrün“ ist das „Bohnengold“ Manuels zweite Anlaufstelle an diesem Morgen. An jedem Morgen. Das Warten ist ein letztes Durchatmen, danach lässt sich Manuel von der Hetze des Tages mitreißen.

Alle Kollegen trinken ihren Kaffee to-go, alle sind streng mobil. Wer nicht Schritt hält, wird übergangen. Uwe aus dem „Arabica“ und Sara aus dem „Mug“ sind schon da. Das verrät ein Blick in den übervollen Mülleimer am Eingang des modernen Bürokomplexes. Selbst Richard mit seinem „Milk‘n‘Sugar“-Becher war heute schneller. Hastig stopft Manuel seinen Becher obenauf, er wackelt, fällt aber nicht. Man bräuchte, denkt er, einen Coffee-on-the-run.

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