Die superlative Ära des Untergangs

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Es ist schon eine Zeit lang her, dass ich zum letzten Mal ein Kinomagazin einer Fast Food Kette gelesen habe. Aber der Ärger darüber liegt mir noch so schwer im Magen, dass ich den Titel des Kinofilms auf dem damaligen Cover für meinen Beitrag übernommen habe: „Transformers: Ära des Untergangs“.

Ich denke, es ist bekannt, dass diese kostenlosen Magazine der Untergang jeglichen Journalismus sind. Natürlich handelt es sich bei den Inhalten gar nicht mehr um Journalismus. Es handelt sich vielmehr um Promotion für die anlaufenden Kinofilme und mittlerweile auch Musikalben und Videospiele. Während Werbung die Botschaft meist ziemlich klar auf den Punkt bringt und auch als solche gut zu erkennen ist, sind die wahrscheinlich nicht einmal umformulierten Pressemitteilungen wie Geheimagenten. Promotion sagt das Eine und meint etwas anderes. Promotion gibt vor, einen Film zu besprechen und bewirbt ihn nur.

Wenn man ein solches Magazin liest, meint man zudem sehr schnell zu wissen, dass es eine viel zu enge Verknüpfung zwischen den enthaltenen Inhalten und den Werbeanzeigen gibt. Diese Ahnung wird zur Gewissheit, wenn man die Anzahl der verwendeten Superlative zählt. Alleine in dem Beitrag zu dem Transformers-Film sind es 16 Stück: „Sommerblockbuster“, „wuchtiger, spektakulärer Action“, „Feuerwerk visuell atemberaubender Spezialeffekte abfackelt“ und „Begeisterungsstürme“ sind nur ein kurzer Auszug aus einem Text, der den vierten Teil dieser Filmreihe als „ein furioses Filmerlebnis der Superlative“ zusammenfasst. Auch der Film „22 Jump Street“ wird mit 16 Superlativen beworben. Als gebe es eine festgelegte Quote von Superlativen, die eingehalten werden muss.

Insgesamt wurden bei sechs Filmvorstellungen mehr als 66 Superlative verwendet. Zunächst wollte ich die Qualität dieser journalistischen Arbeit mit dem Essen vergleichen, welches man in den Fast Food Ketten kaufen kann: schmierig, fettig, ungesund.

Da ich jedoch noch immer von Zeit zu Zeit in die eine oder andere Kette gehe, um dort zu essen, denke ich, dass die Qualität der Kinomagazine darunter liegen muss. Denn diesen superlativen Abgesang auf guten Journalismus lese ich nicht mehr: schmierig, geistig verfettend und ungesund.

Gibt es irgendjemanden, der jemals eine negative Kritik in einem dieser Magazine gelesen hat oder diese Magazine für zumindest glaubwürdig hält?

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