Blut muss fließen

Zum Martial-Arts-Film „Bloodsport“

Als Frank Dux unser Vorbild wurde, waren wir noch längst keine Halbstarken. Wir waren vielleicht 12 Jahre alt und wünschten uns, einfach runter in den Spagat, die Faust nach oben und gewonnen. Was Jean-Claude Van Damme als Frank Dux in dem Martial-Arts-Film „Bloodsport“ gemacht hat, das wollten wir auch können. Wir fühlten, wir wären dann unbesiegbar.

Als der Film Jahre später von Super RTL oder einem anderen Sender dieser Klasse wiederholt wurde, fehlten gefühlt ganze Kämpfe, egal wie spät der Film ausgestrahlt wurde. Von dem Kampfsportfilm blieb nicht viel mehr als das Techtelmechtel mit der blonden Journalistin. Ein Glück, dass es auf DVD die 88-minütige ab 18 Jahren-Version zu sehen gibt.

Reale Kampfkunst bzw. -action

Was den Reiz des Films damals ausmachte, war nicht in erster Linie die Geschichte des amerikanischen Kampfsportlers, der kämpft, um eine Schuld bei seinem fernöstlichen Kampfkunstmeister zu begleichen. Es war auch nicht allein das Setting des Films, wonach sich die besten Kampfsportler zu einem Vollkontakt-Turnier, dem sogenannten Kumite, treffen, um den Allerbesten zu ermitteln. Es war gewiss nicht die Liebesgeschichte mit der blonden Journalistin.

Es war, dass die Action tatsächlich ziemlich real schien. Van Damme als Kampfsportler trat gegen andere Kampfsportler an. Natürlich waren alle Kämpfe fiktional, aber es waren echte Kampfbewegungen. Es war reale Action, echter Schweiß und vor allem war es echtes Können. Welcher Heranwachsende wollte nicht dieselbe Körperbeherrschung haben und dieselben Reflexe besitzen? Dafür waren die schauspielerischen Leistungen in ihrer Qualität überschaubar.

Die Hauptfigur Frank Dux war den anderen Kämpfern nicht nur überlegen, er war darüber hinaus kreuzehrlich, ehrenhaft, ein Vorbild. In seinem ersten Kampf stellt er einen neuen Geschwindigkeitsrekord für den schnellsten Kampf auf, später klaut Dux dem Klischee-Bösewicht Houssein so schnell eine Münze aus der Hand, dass dieser es nicht einmal merkt und vor allem beherrscht Dux den „Din Mak“. Der Din Mak ist der Todesschlag, der nur von Tanaka gelehrt werden kann. Der Kämpfer fokussiert die Energie auf einen Punkt, an dem der Schlag dann mit tödlicher Präzision wirkt. Van Damme schlägt auf einen Stapel von Backsteinen, er darf aber nur den untersten zerstören. Natürlich gelingt die Übung.

Frank Dux verkörpert das Gute im Menschen und ist gleichzeitig unbezwingbar. Welcher Heranwachsende könnte sich einem solchen Vorbild entziehen?

Kampf, Kampfmontage und ein wenig Handlung

In der Wiederschau fällt zunächst auf, dass der Film sehr viele Montagesequenzen hat, die mit Musik unterlegt sind. Er beginnt mit einer Sequenz, bei der die verschiedenen Kämpfer beim Training gezeigt werden. Kurz darauf folgt eine Rückblende, die zeigt, wie Dux zum Kampfsport kam. Die Kampfsportlehre bei Meister Tanaka ist die nächste Sequenz, natürlich meistert Dux das sich stetig steigernde Training. Auch das Kampfsportturnier beginnt mit einer solchen Montage, bei der die Kampfstile der einzelnen Kämpfer vorgestellt werden und es folgt eine weitere Montagesequenz, die das Fortschreiten des Turniers zeigt und die Eigenheiten der Kämpfer vertieft.

Diese Art des Erzählens bringt zwar etwas Geschwindigkeit mit sich, aber gleichzeitig bleibt die Handlung oberflächlich. Unterbrochen werden diese Montagen durch zweieinhalb Handlungsstränge. Einmal wird der Kommandant der amerikanischen Armee Dux von der Militärpolizei gesucht, dann gibt es da noch die blonde Journalistin und zuletzt die ungleiche Männerfreundschaft zwischen dem zurückhaltenden Frank Dux und dem zotteligen Ray Jackson, der ebenfalls am Kumitee teilnimmt. Letztlich bleiben die Handlungsstränge jedoch oberflächlich und sie können nicht vertuschen, dass sie kaum mehr sind als Lückenfüller zwischen den blutigen Kämpfen.

Kampfschreie und Schweißtropfen in Zeitlupe

Zu der Erzählweise des Films gehört neben den vielen Montagesequenzen die Darstellung von Kampfhandlungen in Zeitlupe. Unterlegt wird die Zeitlupe mit entsprechend gestreckten Kampfschreien. „Uuuuaaarrrrghhhhh“ und in Zeitlupe fliegt der Fuß zum Kopf. Treffer werden durch das Spritzen von Schweiß oder Blut – auch in Zeitlupe – angezeigt. Auf diese Weise wird die durchschlagende Wirkung der Treffer offensichtlich und die gewaltsame Auseinandersetzung wird ästhetisiert.

Hinzu kommt, dass die späteren Kämpfe, um Spannung zu erzeugen, nach dem Muster Treffer – Wirkung – Erholung und Wiederholung geführt werden. Auf beiden Seiten spritzt mal Schweiß, mal Blut, aber die Kämpfer schütteln den letzten Treffer so lange ab, wie es die Dramaturgie erfordert. Erst wenn der Kampf zu seinem glücklichen Ende (im Fall von Frank Dux) oder zu seinem unglücklichen Ende (im Fall von Chong Li) geführt wird, werden die Treffer tatsächlich wirkungsvoll. Derselbe Tritt in derselben Intensität führt dann zu einem Knockout, zuvor wäre er einfach abgeschüttelt worden. Dieser erzählerische Kunstgriff führt dazu, dass man die Ästhetisierung der Gewalt besser akzeptieren, ja genießen kann.

Das Kumite kann tödlich sein.“

Der Film erzählt davon, dass alle fünf Jahre die besten Kämpfer zu einem Vollkontakt-Turnier zusammenkommen, aus dem nur einer als Sieger hervorgehen kann. Das Turnier dauert drei Tage und der Sieger wird durch eine lange Reihe von K.O.-Kämpfen ermittelt. Die Kämpfer nennen das, was sie tun, Bloodsport, weil Blut fließt während der Kämpfe und weil manche der Kämpfe mit einem Blutzoll bezahlt werden müssen. Denn das Kumite kann tödlich sein.

Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der amtierende Champion Chong Li kämpft. Seine Spezialität ist es, kampfunfähige Gegner zu verletzen oder gar zu töten. Chong Li ist sauer, dass Dux seinen Rekorde des schnellsten Kampfes unterboten hat und dass Dux überhaupt die Sympathien zufliegen. Der Film betont diesen Kampf des guten Amerikaners gegen den bösen Titelverteidiger.

Einen geschlagenen Gegner schubst Dux mit einem leichten Tippen auf die Stirn zu Boden. Chong Li bricht ein Schienbein. Dux vermeidet unnötige Gewalt, Chong Li berauscht sich daran. Chong Li kämpft gegen Jackson, schlägt diesen bewusstlos und tritt ihn dann krankenhausreif. Hier wird es persönlich, Jackson ist ein Freund, und der Zuschauer fiebert dem Finale und somit der Bestrafung des Bösewichts zu.

Frank Dux kann nichts mehr sehen
Frank Dux kann nichts mehr sehen

Natürlich wird das Finale entsprechend zelebriert. Die Kampfmatte wird an den Enden erhöht, der Kampf verläuft ausgeglichen, bis Dux Chong Li niederschlägt. Allerdings hat Chong Li vor dem Kampf eine Tablette zugesteckt bekommen, die er zu einem weißen Pulver zerbröselt, welches er Dux in die Augen wirft. Dux kann nichts mehr sehen. Chong Li verprügelt Dux – aber nur bis sich dieser an sein Training und die Lehren seines Meisters erinnert. Schließlich hat er von Tanaka gelernt, auch mit verbundenen Augen zu kämpfen. Abschließend setzt Dux zu einer Reihe von Roundhouse-Kicks an, bis Chong Li kampfunfähig ist. Anstatt seinen Gegner nun ebenfalls ins Krankenhaus zu prügeln, rächt sich Dux auf andere Weise. Er zwingt Chong Li „Mat-te“ zu sagen, also aufzugeben. Dies ist die größere Schmach und als Rache angemessener.

Insgesamt ist der Film natürlich etwas angegraut und doch hat er etwas, was viele andere Filme nicht haben. Seien es die Kampfmontagen oder die körperliche Athletik und Artistik. Wer Kampfsportfilme mag, muss „Bloodsport“ gesehen haben, natürlich in der 88-minütigen Ü18-Version.

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