Superheldenhafte Ablenkung

Kommentar/ Analyse zu Superheldenblockbusterfilmtrailern

Superheldenblockbuster

Vor kurzem habe ich zwei Kinotrailer für kommende, pathetisch-überladene Blockbuster gesehen. In „Thor Ragnarok“ droht eine gottgleiche Kreatur die Erde zu zerstören. Sie kann nur durch den Zusammenschluss verschiedener Superhelden aufgehalten werden.
In „Justice League“ droht eine gottgleiche Kreatur die Erde zu zerstören. Sie kann nur durch den Zusammenschluss verschiedener Superhelden aufgehalten werden.
Das erinnert mich an „Suicide Squad“, „Superman vs. Batman – Dawn of Justice“ oder „Wonder Woman – Rise of the Warrior“, in denen eine gottgleiche Kreatur die Erde zu zerstören droht und die nur durch den Zusammenschluss verschiedener Superhelden aufgehalten werden kann.

Als Kulturwissenschaftler fragt man nach den Ursachen für diese Schwemme an ähnlichen Erzählungen. Hier bieten sich zwei Erklärungen an.

Die technisch-fortschrittliche Antwort wäre: durch die computergestützte, digitale Bildbearbeitung sind bildgewaltige, übernatürliche Spektakel möglich geworden. Man macht, was technisch möglich ist, folglich ist die Präsenz von Superhelden und Göttern geradezu zwingend.

Weitaus reizvoller ist allerdings der Ansatz, einen Zusammenhang zu aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen, Strömungen oder Problemen herzustellen. Die Filme wären quasi der Spiegel der Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft stellen muss. Hierbei gibt es zwei Reaktionsmuster: Durchleben oder Ausweichen.

In all den Filmen (auch „Transformers – Der letzte Ritter“ gehört dazu) wird die Menschheit erstens in ihrer Existenz bedroht und zweitens haben die Menschen keine Möglichkeit, diese Bedrohung abzuwehren. Dafür wird die Bedrohung drittens durch Superhelden beseitigt.

Die ersten beiden Punkte können als eine Reaktion bzw. Analogie auf den Klimawandel und die stetig fortschreitende Ausbeutung der natürlich Ressourcen gesehen werden. Darauf hat der Einzelne auch keinen wirklichen Einfluss. In den Filmen ist es allerdings ein unaufhaltbares, zerstörerisches Wesen mit einem eigenen Willen, welches die Bedrohung darstellt. Diesem sichtbaren Subjekt wendet sich die Aufmerksamkeit zu, man kann es bekämpfen. Mit dem Wesen gibt es einen Verantwortlichen, anders als bei den schwindenden Ressourcen und dem Klimawandel. Hier kann man niemanden direkt verantwortlich machen.

So beinhalten die Filme zwar die Gefahr, dass der Planet Erde unbewohnbar werden könnte, aber die Bedrohung durch eine fremde, göttliche Macht ist eine das eigentliche Problem transformierende Ablenkung.

Nun liegt der Schluss nahe, dass auch der Zusammenschluss der Superhelden eine Ablenkung ist.

Indem sich die Helden über ihre individuellen Unterschiede hinweg – Gemeinsam sind wir stark – zusammenschließen, erreichen sie, was sie alleine nicht hätten erreichen können: sie wehren die Bedrohung ab. Hollywood macht demnach vor, was zu tun wäre. Allerdings mit dem Unterschied, dass es in den Superheldenfilmen gegen einen konkreten Feind geht und nicht gegen eine schwelende Gefahr. Die Rettung wird auf diese Superhelden externalisiert. Der Durchschnittsmensch bleibt passiv.

Nicht der Einzelne muss handeln, die Politiker sollen es tun oder einzelne Wissenschaftler oder Unternehmer – irgendeine realweltliche Entsprechung der Superhelden. Diese werden die Karre schon aus dem Dreck ziehen.

Diese Externalisierung der Problemlösung ist eine deutliche Ablenkung, denn die Ursachen für zu hohen Rohstoffverbrauch und Klimawandel sind nicht irgendwo außerhalb. Dieser Feind ist innerhalb. In jedem Menschen, der mehr verbraucht, als die Erde bereitstellen kann. Hierauf wird der Blick wiederum verstellt. So lange die Helden am Ende siegreich sind, muss niemand an sich persönlich arbeiten.

Es ist Zeit für neue Erzählungen im Superheldenblockbuster.

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