Ehemals harte Arbeit, heute Idyll

Besuch im Kleinbauernmuseum Reitzendorf

Kleinbauernmuseum Reitzendorf
Das Kleinbauernmuseum Reitzendorf wirbt für sich selbst mit dem Slogan „Treffpunkt für Jung und Alt“ und übertreibt mit Sicherheit. Es befindet sich in Reitzendorf bei Schönfeld bei Dresden. Der Ort ist also recht klein und das Museum ist so groß wie – na – wie ein Dreiseitenhof eben groß ist.

Eröffnet wurde das aus einem umgebauten Dreiseitenhof bestehende Museum im Jahr 1992 und seitdem bietet es einen Einblick in die Lebensweise der Menschen auf einem typischen Kleinbauernhof. Es besteht aus dem Wohnstallhaus, dem Auszugshaus sowie der Scheune. Vor allem das Wohnstallhaus wurde belassen und eingerichtet wie vor ca. 100 Jahren und es ist interessant zu sehen, wie zentral damals die Werkstoffe Holz und Eisen waren und wie sie teilweise nur sehr grob bearbeitet waren.

In der Scheune befinden sich allerhand Maschinen, Geräte und Werkzeuge, die logischerweise einen Bezug zum bäuerlichen Leben haben. Das Auszugshaus beherbergt das Büro des Museums, wo man auch den Eintritt zahlt, die Mitarbeiterküche sowie einen Ausstellungs- und einen Workshopraum.

Erleben, Empfinden, Hineinversetzen

Gut ist an dem Museum, dass man einen authentischen Einblick in die Bedingungen des bäuerlichen Lebens vor ca. 100 und mehr Jahren erhält. Die Räume sind durch die kleinen Fenster düster und fühlen sich durch die niedrigen Decken beengend an. Die nur in Ansätzen vorhandene Küche schließt direkt an den Stall für die Tiere an, woher das Wohnstallhaus auch seinen Namen hat. Tiere waren damals eine günstige Form der Heizung. Viel Raum für Individualität gibt es nicht an einem solchen Ort. Aber man kann sich vorstellen dass es gemütlich, ja behaglich gewesen sein kann.

In einem normalen Museum ist dieser Eindruck meist zu flüchtig, weil entweder das Ambiente drumherum modern ist oder drei Meter weiter das nächste Exponat wartet. Das Kleinbauernmuseum in Reitzendorf ist ein großes Idyll für moderne Städter.

Kaum Erklärungen

Die Stärke des Kleinbauernmuseums ist zugleich seine Schwäche. Zwar sind alle Ausstellungsstücke und die -räume authentisch, aber es fehlt die erklärende Einordnung. Es gibt nur kleine Zettel, die die Gegenstände benennen. Aber es wird nichts über die Funktion oder die Art der Anwendung der Gegenstände vermittelt. So kann man sich zwar gut einfühlen, aber lernen und nachvollziehen ist kaum möglich.

Der versprochene „Treffpunkt für Jung und Alt“ ist das Museum an einem normalen Tag nicht. Denn warum sollten sich Jung und Alt an diesen Ort überhaupt treffen? Zu diesem Zweck gibt es Veranstaltungen wie „Omas Waschtag“, „Vom Korn zum Brot“ oder „Was aus Schafwolle alles werden kann“. Da könnte es mit dem Treffpunkt auch klappen.

Getragen und betrieben wird das „Kleinbauernmuseum Reitzendorf“ vom „Heimatverein Schönfelder Hochland e.V.“. Im Internet kann man es unter www.kleinbauernmuseum.de besuchen, dort stehen auch die Öffnungszeiten und der Anfahrtsweg.

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