Dunkelheit oder Licht – du entscheidest

Rezension: Street Fighter Alpha – Der Film

Zu Beginn der Street Fighter-Videospielreihe ging es schlicht darum, aus 8 Figuren den Stärksten, den World Champion, zu ermitteln. Das war sehr linear. Man wählte einen Kämpfer aus, besiegte alle anderen und die vier Endgegner dazu und war am Ziel. Zum 10. Jahrestag des Spiels, das mit seiner Spielmechanik für ein ganzes Genre den Grundstein legte, wurde der Animationsfilm „Street Fighter Alpha Movie“ veröffentlicht. Der Animationsfilm ist komplexer erzählt als das Videospiel, hat aber auch deutliche Anleihen bei sehr bekannten Vorbildern.

Alte Bekannte aus dem Street Fighter Universum

Dr. Sadler
Dr. Sadler

Der Film handelt davon, dass der Wissenschaftler Dr. Sadler, eine im Übrigen traurig überzeichnete Figur, im Auftrag der kriminellen Organisation Shadowlaw (eigent. Shadaloo) nach der Kraft des Hadou forscht, um damit nahezu unbesiegbar zu werden. Aus diesem Grund werden Street Fighting Competitions ausgerichtet, denn die teilnehmenden Kämpfer bieten die ideale Forschungsgrundlage. Neben der Hauptfigur Ryu haben einige weitere Figuren aus dem Street Fighter Universum einen Auftritt. Sakura als junger Fan, Chun-Li als Polizistin, die Verbrecher verprügelt, Ken als Freund und Traningspartner Ryus oder Rose als psychedelische Zauberfigur und weitere.

Da Ryu verständlicherweise nicht mit Dr. Sadler kooperiert, lässt der Wissenschaftler Ryus vermeintlichen Bruder Shun auf eine Insel entführen. Er will Ryu somit zwingen, das dunkle Hadou anzuwenden, weil dies die letzte Messung ist, die ihm noch fehlt, um den perfekten Kämpfer erzeugen zu können.

Auf der abgelegenen Insel angekommen, sehen Ryu, Ken und Chun-Li viele ehemalige Kämpfer wie seelenlose Zombies herumtrotten. Kurz darauf werden die drei Kämpfer getrennt. Ken und Chun-Li kämpfen erfolglos gegen Dr. Sadlers Schöpfung, den unheimlichen Kämpfer, der die Fähigkeiten aller besiegten Street Fighter in sich vereint (später in der Serie findet sich mit dem Charakter Seth eine solche Figur als Endgegner). Um seine Freunde zu retten, lädt sich Ryu mit dem dunklen Hadou auf. So kann er zwar seinen Gegner bezwingen, aber Dr. Sadler bekommt die letzten noch fehlenden Informationen, um seinerseits ein unbesiegbarer Kämpfer zu werden.

Dramaturgisch eröffnet sich ein zweifacher Kampf, ein innerer und ein äußerer. Der äußere Kampf handelt von Entführung, Verfolgung und Befreiung. Der innere Kampf betrifft Ryu und die aufbegehrenden Kräfte des dunklen Hadou. Diese dunkle Kraft wird immer stärker und fordert Ryus Nemesis, Akuma, heraus.

Der Weg zur Macht

Mit einem Kampf zwischen Ryu und Akuma beginnt der Animationsfilm. Um den Kampf gewinnen zu können, muss Ryu „böses Chi“ anwenden – aber da wacht er schon mit der Frage auf, „was dieses böse Chi sei“. Der Kampf war nur ein luzider Traum. Ryu ist der weiße Ritter. Akuma dagegen ist der zerstörerische, dunkle Krieger. Anders als andere böse Figuren will Akuma nur der beste Kämpfer sein, er strebt weder die Unterjochung der Welt noch finanziellen Gewinn an. Darum bleibt Akuma quasi unauffindbar, bis er einen in seinen Augen würdigen Gegner findet. Dann wird allerdings auf Leben und Tod gekämpft.

Die Parallelen zwischen dem hellen Schüler Ryu, der versucht wird durch das dunkle Hadou, welches deutlich mehr Macht verheißt als das normale Hadou und Luke Skywalker auf der einen Seite sowie dem dunklen Meister Akuma und Darth Vader auf der anderen Seite sind nicht zu übersehen. So ist es an Ryu wie an Luke Skywalker den Verlockungen des dunklen Hadou bzw. der dunklen Seite der Macht zu widerstehen bzw. zu entsagen. Auch der „eine Ring“ aus der „Der Herr der Ringe“-Trilogie übt mit demselben Versprechen eine gleiche Anziehung aus.

Von Rose bekommt Ryu in einem weiteren Traum die dazu passende Frage gestellt: „Wirst du das Licht ergreifen oder wirst du von der Dunkelheit verschluckt werden?“ Wenn Ryu stärker und mächtiger werden will, dann muss er auch die dunkle Seite betreten. Die dunkle Seite ist die der Brutalität. Die Frage nach Dunkelheit oder Licht, nach der dunklen oder lichten Seite der Macht ist zutiefst menschlich. Darum kann sie in den verschiedensten Genres und über eigentlich alle Erzählwerke hinweg immer wieder gestellt werden. Wenn man nur ein wenig „böser“ wäre, zum Beispiel an der Arbeit oder in den zwischenmenschlichen Beziehungen, dann könnte man für sich schon deutlich mehr herausschlagen.

Unfreiwillig komische Darstellung von Kraft

Darstellung von Kraft
Darstellung von Kraft

Unfreiwillig lustig sind die übersteigerten Darstellungen von Kraft. Da lösen Faustschläge Folgen aus, die Explosionen imitieren, Wände zerbersten oder selbst in großer Entfernung ist noch eine Druckwelle zu spüren. Zum Beispiel sprengt Ryu durch die Verwendung des „Dark Hadou“ den gesamten oberen Teil eines weitgehend verlassenen Wolkenkratzers ab. An dieser Stelle muss er natürlich mit sich ringen und sich fragen, ob er den selben Weg gehen wird wie Akuma.

Das Ende der äußeren Handlung des Animationsfilms ist unbefriedigend. Ryu muss gegen den mutmaßlich unbesiegbaren Dr. Sadler antreten und muss sich entscheiden, ob er das dunkle Hadou ein weiteres Mal nutzt. Letztlich entscheidet er sich für einen normalen Hadouken, der genauso seine Wirkung zeigt, so dass die Entscheidung, im Nachhinein betrachtet, unwichtig ist. Dr. Sadler war letztlich deutlich leichter zu besiegen als seine Maschine. Das Ende wirkt schlicht überhastet.

Insgesamt wirkt der Film durch die übersteigerte Darstellung von Kraft, die teilweise überzeichneten Figuren und die stellenweise krude Handlung komisch – manchmal humorvoll, auf die Zielgruppe angepasst und andere Male eher unfreiwillig. Für den Animationsfilm spricht die allgemeingültige Thematik und die Verwendung des Franchise „Street Fighter“, was der Hintergrundstory und den Figuren mehr Tiefe verleiht. Außerhalb der Interessengemeinschaft Street Figher dürfte er allerdings auf wenig Gegenliebe stoßen, innerhalb jedoch ist „Street Fighter Alpha Movie“ ein „must see“.


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Die Geschichte von Ryu und Akuma“ – Rezension des Films „Street Fighter – Alpha Generation“

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