Das Sommermärchen der Eisernen. Stadionbau bei Union Berlin.

Dokumentation: Eisern vereint. Die Stadionbauer von der Alten Försterei

Andere Vereine lassen sich von großen Bauunternehmen ihre nach Versicherungen benannten Stadien bauen. Dorthin, auf die ehemals grüne Wiese, kommen dann die Fans als zahlende Gäste. Die Fans des ostberliner Vereins Union Berlin bauen sich dagegen ihr „Wohnzimmer“ selbst. Dies ist ein Fakt, den jeder Fußballfan kennen sollte und der in einer Zeit der stetig zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs herausragt.

Der 1. FC Union Berlin hat sein Heimstadion, die Alte Försterei, unter maßgeblicher Hilfe seiner Fans ausgebaut. Rund 2000 freiwillige Helfer haben knapp 140.000 freiwillige Arbeitsstunden in ihr Stadion investiert, um sich ihr Wohnzimmer herzurichten. Das ist bekannt.

Weniger bekannt ist, dass der Regisseur Andreas Gräfenstein diesen Umbau filmisch dokumentiert hat. „Eisern Vereint: Die Stadionbauer von der alten Försterei“ heißt die Dokumentation. Sie ist für Fans von Union Berlin das, was „Deutschland. Ein Sommermärchen“ für Fußballdeutschland ist – Gänsehaut pur.

Wenig Geld, viel Mut und viel, viel UNTERSTÜTZUNG

Der Stadionbau ist aus der Notwendigkeit entstanden, dass DFB und UEFA die Spielberechtigung nur unter Auflagen erlaubt hatten und diese Ausnahmegenehmigung nicht immer wieder erteilt werden würde. „Wir hatten wenig Geld, aber viel, viel Mut und Hoffnung auf Unterstützung“, sagt ein Verantwortlicher zu Beginn der Dokumentation.

Die Dokumentation geht chronologisch mit dem Baufortschritt mit und porträtiert nebenbei wichtige Menschen des Stadionbaus. Gerade die freiwilligen Helfer sind Menschen, über die man sagen könnte: „wat ’ne Type“. Teilweise sind es Enthusiasten, die ihre Freizeit für einen Verein opfer, der für sie das richtige Lebensprinzip verkörpert. Teilweise sind es Menschen, die abgehängt wurden und die nun die Chance sehen, Anschluss zu finden und sich einzubringen. Und viele wollen einfach Teil sein von etwas, das größer ist als sie selbst.

Dieser menschliche rote Faden lockert die Dokumentation auf. Aber der eigentliche Protagonist bleibt die Alte Försterei. So sagt einer der vielen Helfer sinngemäß: Fußball sei nicht nur das Ergebnis, denn die Alte Försterei sei fast noch wichtiger. Die Alte Försterei ist ein Symbol für Zusammenhalt im sonst eher von auseinander strebenden Tendenzen dominierten Profifußball. Sie ist ein Ort des Zusammenkommens und Identifikation für viele Menschen.

Der Mensch will gebraucht werden, will nützlich sein

Darum ist die Dokumentation für Fans des 1. FC Union Berlin eine wichtige Erinnerung, etwas woran man sich mit einem guten Gefühl erinnert. Für die Fans anderer Vereine könnte „Eisern vereint“ fast noch wichtiger sein. Denn sie ist auch Zeugnis davon, dass man gemeinsam etwas bewegen kann und wie sinnstiftend es für Menschen ist, wenn sie sich produktiv einbringen können. Dies ist – wenn man sich darauf einlässt – die universelle Weisheit, die diese DVD festgehalten hat. Der Mensch fühlt sich dann wohl, wenn er etwas nützliches tun kann und am allerwohlsten, wenn dieses Nützliche etwas schafft, dass der Gemeinschaft hilft.

Heute fasst das Stadion 22.012 Zuschauer, wovon 18.395 Stehplätze sind. Dies war der Wunsch der Fans und somit auch des Vereins: Stehplätze sind die Plätze der „echten“ Fans, die dieses Stadion mit errichtet haben. „Das ist nicht nur so, wir bauen hier mal schnell ein Stadion“. Gebaut wurde ein Mythos, eine Heimstätte, ein Wohnzimmer und genau dies fängt die Dokumentation „Eisern vereint“ gut ein.

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