Eine Katastrophe dieser Katastrophenfilm

Es beginnt, wie bei Katastrophenfilmen üblich, ganz beschaulich. Eine Frau fährt gedankenverloren auf einer kurvigen Landstraße. Der Zuschauer weiß, dass etwas passieren wird, die Szene ist friedlichmöglichst. Plötzlich kommt sie von der Straße ab, stürzt in eine enge Schlucht und bleibt mit dem Auto für den Augenblick an einem Gesteinsvorsprung hängen, vielleicht war es auch nur ein Ast. Ein Katastrophenfilm beginnt mit einer Katastrophe so wie ein Actionfilm mit Action beginnt.

Aus dieser Situation wird sie von Hubschrauberrettungsflieger Ray „Chief“ Gaynes, verkörpert durch Dwayne Johnson, gerettet. Gemeinsam mit seiner Crew fliegt er mit dem Hubschrauber in die Schlucht, die mehr eine Spalte ist und da die Spalte so eng ist, muss der Hubschrauber in einem riskanten Manöver gekippt werden, was für den Zuschauer aussieht wie Tetris. Selbstverständlich klappt die Rettung nicht reibungslos, vielmehr verhakt sich etwas oder etwas anderes unerwartetes geschieht, so dass Chief Ray aus dem Hubschrauber springt und die Frau in einer Aktion rettet, wie niemand sonst es gekonnt hätte.

„San Andreas“ ist ein Erdbeben-Katastrophenfilm, bei dem sich die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien durch eine Reihe von Erdstößen deutlich in ihrem Verlauf verschiebt.

Die Naturkatastrophe als Familienkitt

Zu einem Katastrophenfilm gehört, dass die Hauptfigur ein kerniger Mann mit herausragenden körperlichen Fähigkeiten ist. Genauso gehört zu diesem Genre, dass dieser Mann einsam ist, bestenfalls dem Alkohol verfallen oder mit seiner Familie verkracht.

Chief Ray lebt alleine in der ehemals gemeinsamen Wohnung, die Frau hat ihn verlassen und die Tochter mitgenommen. Als Rettungsflieger noch ein Übermensch ist er als Familienvater tief einsam und verletzt. Bei Dwayne Johnson funktioniert dies kaum, weil man immer nur den Testosteronbullen sieht und die Frau zu gut versteht.

Natürlich endet der Film damit, dass der Chief Frau und Kind rettet, ein Trauma überwindet und die Familie wieder zusammenfindet. Im Verlauf des Films werden einstürzende Hochhäuser und aufbrechende Straßenschluchten prominent in Szene gesetzt. Besonders prominent fallen die Hochhäuser des neuen Freundes der Ex (erfolgreicher Architekt ) zusammen. Sozusagen als Strafe der Natur. Es wird überdeutlich, dass der neue Freund im Vergleich zum Chief der schlechtere Partner ist. Der Architekt bezeichnet seine Gebäude als seine Kinder und lässt die ihm anvertraute Stieftochter bei der ersten Gefahr im Stich.

Weitere Figuren sind die Brüder Ben und Olly Taylor, wobei Ben der ältere ist und passenderweise genau im Alter von Blake Gaines, der Tochter von Chief Ray. So darf Ben die Tochter unter Einsatz seines Lebens retten, nachdem Blake von ihrem Stiefvater in einer tödlichen Falle zurückgelassen wurde. Ohne Frage, am Ende des Films gibt es zwischen Blake und Ben genauso Küsschen wie zwischen dem Chief und seiner Ex-Frau.

Es ist, als bräuchten die Menschen nur den Untergang der ihnen bekannten Welt, um herauszufinden, dass sie am Besten wegkommen, wenn sie zusammen halten. Die Naturkatastrophe dient als der Kit, der Familien heilt und aus dem gebrochenen Helden wieder einen aufrechten macht, der sogar ein wenig über sich hinaus wachsen darf.

Hindernislauf mit Hubschrauber

Wie beim Katastrophenfilm üblich geht es nicht um Logik oder wissenschaftliche Plausibilität. Es geht darum, dass die Erde möglichst spektakulär aufbricht und Hochhäuser im lens-flare-getränkten Gegenlicht auseinander brechen. Der Held bzw. die Figuren, mit denen wir mitfiebern sollen, entkommen dabei der Ästhetik der Katastrophe jedes Mal denkbar knapp.

Denn dies ist, was den Film ausmacht, was alle Katastrophenfilme ausmacht. San Andreas ist ein langer Hindernislauf mit Auto, Flugzeug, Hubschrauber, Boot, schwimmend unter Wasser und auch zu Fuß, an dessen Ende gegen jede Wahrscheinlichkeit alle positiv besetzten Hauptfiguren überleben, die zuvor zerrüttete Familie wieder zusammenfindet und sogar ein potentieller Partner für die Tochter gefunden wurde. Ziemlich blöd, Hauptsache es kracht.

Ganz wichtig für die Dramaturgie des Katastrophenfilms ist, dass es zwar immer schlimmer kommt als befürchtet, aber dafür rücken die Menschen dann enger zusammen. Sie besinnen sich auf den Wert der Gemeinschaft – was sehr gekünstelt wirkt in der modernen Zeit. Vielleicht brauchen wir den Glauben, dass wir es (Zusammenhalt) noch könnten, wenn wir es nur müssten.

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