4. Dezember 2022

Gewollt anders ist auch nicht richtig

Gallowwalkers (2013, R: Andrew Goth)

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Der Film „Gallowwalkers“ (2013) von Andrew Goth will mit aller Macht anders sein als andere Filme des Zombie-Genres. Mit viel Gewalt und extremer.

Darüber verliert er leider die Logik der Handlung aus den Augen. Nicht in dem Sinn, dass alles nach normalem Weltverständnis erklärbar sein müsste – das ist von keinem Zombie-Film zu erwarten. Mehr in dem Sinn, wie sich das filmische Universum selbst erklärt und das fehlt bei „Gallowwalkers“ nahezu komplett. Die Handlung ist mit ‚krude‘ selbst innerhalb des Genres noch vorsichtig umschrieben. Das gewinnt an Ironie, leider unbeabsichtigte.

Die Handlung? Welche Handlung?

Es geht in dem Film um ein Tor zwischen Himmel und Hölle, welches von einem heiligen Schwesternorden bewacht wird. Sie verhindern, dass die Toten auferstehen, um die Lebenden zu quälen. Der Rahmen bleibt gewollt mythisch und unklar.

Dann gibt es schon auferstandene Tote. Die wollen das Tor ganz öffnen – wahrscheinlich. So ganz klar wird das nicht. Ein wenig geöffnet ist das Tor demnach schon oder auch nicht. Die Toten tragen Kontaktlinsen und wirken auf eine eigene Weise unwirklich. Es gibt auch einen ganz in rot gekleideten Mann mit zugenähtem Mund. Wieso, weshalb, warum erfährt man nie. Irgendwann bezeichnet irgendwer einen Galgen als Tor zur Erlösung. „Aha?“, denkt sich selbst der aufgeschlossenste Zuschauer.
Es gibt zudem auch eine langatmige Hintergrundgeschichte um einen Waisenjungen und vielleicht eine zweite Waise, die wirr in einem Backflash präsentiert wird. Während das Ambiente in seiner Andersartigkeit noch Interesse weckt, wirken die Bildsprache und -symbolik gewollt anders und leider auch ziemlich wirr und zufällig. Wer anders sein will, um anders zu sein, wirkt häufig falsch. So ist es in diesem Film.

Leere Gewalt als Verkaufsargument

Extremer will der Film bei der dargestellten Grausamkeit sein. Dafür wird auch mal ein Kopf samt Wirbelsäule aus dem Rumpf gerissen. Hauptsache die Gewalt ist explizit und gewalttätiger als in anderen Filmen des Genres. Letztlich verweist diese übermäßige Gewalt nur auf die eigentliche Leere des Films. Als sollten mit dem Kunstblut die Löcher in der Handlung übertüncht werden.

Was dieser Gewalt fehlt, ist die Anteilnahme des Zuschauers am Schicksal der Figuren. Wenn der Zuschauer sich im Film nicht auskennt und die Figuren darum nicht wichtig sind, wie soll der Zuschauer dann Anteil am Schicksal der Figuren nehmen? So verpufft der Effekt der Gewalt.

Tot oder lebendig?

Dafür, dass die Prämisse des Films ist, das Tor zu den Toten darf nicht geöffnet werden, bleibt erschreckend unklar, worin innerhalb dieses filmischen Universums überhaupt der Unterschied zwischen tot und lebendig besteht. Die Toten sind den Lebenden nämlich gleich – außer dass man als Toter nur durch einen gezielten Schuss in den Kopf (oder das Abtrennen desselben) wirklich aus der Welt entfernt wird. Die Toten handeln bewusst und treffen eigenständige Entscheidungen, ganz wie die lebenden. Ob tot oder lebendig – beides ist eins. Dies macht jeden Reiz zunichte.

Die Toten sind bloß böse. Ob ihre Bösartigkeit eine Folge ihres Todes ist oder ob sie gestorben sind, weil sie schon vorher ganz fiese Typen waren, wird nicht klar.

Fazit

Insgesamt gibt sich „Gallowwalkers“ auf der Handlungsebene betont geheimnisvoll, auf der Figurenebene betont unklar und auf der Gore-Ebene betont grauenvoll. Die Regeln und Mechanismen dieser filmischen Welt bleiben unklar und somit wird die Handlung in Teilen irrelevant. Warum sollte der Zuschauer aufmerksam folgen, wenn es immer eine Unbekannte gibt, die alles ändern kann?

Selbst nach dem Ende von „Gallowwalkers“ bleiben wesentliche Fragen zur Handlung und zu den Figuren offen. Gut ist das nicht und gefallen kann es auch nicht. Eine solche Erzählung lohnt nicht erzählt zu werden.

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