30. November 2020

Und morgen: harte Veränderungen

Laughlin, Robert B.: Der Letzte macht das Licht aus. Die Zukunft der Energie, Piper, München 2012

Noch immer werden nicht genügend Schritte unternommen, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Jeder weiß das, aber kaum jemand tut etwas dagegen. Wenn es nach dem amerikanischen Nobelpreisträger für Physik, Robert B. Laughlin, ginge, dann ist der Klimawandel ohnehin nicht so wichtig, zumindest nicht im Vergleich mit der Energiewende. Diese sagt er in dem Buch „Der Letzte macht das Licht aus“ vorher.

Zweites Kapitel: geologische Zeitskalen; drittes Kapitel: Das Gesetz des Dschungels

In geologischen Zeitskalen ist der durch den Menschen ausgelöste Temperaturanstieg von durchschnittlich 2 Grad nicht mal marginal, denn es gab schon immer Wärme- und Kältephasen in der Geschichte der Erde. In geologischen Zeitskalen ist der Klimanwandel schlicht nicht vorhanden. Laughlin lenkt den Blick weg vom Klimawandel und hin zur Energiewende, die unser Leben deutlich tiefer und härter beeinflussen wird.

Insofern sind die geologischen Zeitskalen wenig relevant. Sie bereiten nur das zentrale, dritte Kapitel, das Gesetz des Dschungels vor. Wir erzeugen Strom, Wärme und Mobilität aus der Verbrennung fossiler Energieträger (den Kohlenstoffen). Dies ist aufgrund der Endlichkeit der Energieträger ein einmaliger Vorgang und das Ende ist abzusehen. „In ein paar Hundert Jahren werden die Menschen keine Kohle mehr verbrennen und auch kein Öl oder Erdgas.“ Laughlin warnt, dass das Verbrennen der Kohlenstoffe zu einem Klimawandel führt, prognostiziert Laughlin, dass die baldige Endlichkeit der Kohlenstoffvorräte vielmehr das Thema sein sollte. Die Folgen der Energiewende seien für die menschliche Zivilisation verheerend und können nur durch eine rechtzeitige Abkehr von der Abhängigkeit von „Kohlenstoffen“ gemildert werden.

Dagegen steht jedoch das Gesetz des Dschungels, wonach jeder den billigsten Treibstoff, die neueste Unterhaltungselektronik und die angesagteste Kleidung haben will und man es sich auch rücksichtslos nimmt, wenn sich die Chance bietet – auch dann wenn der dafür benötigte Ressourcenverbrauch unwiederbringlich ist.

Ein guter Analytiker, aber kein Visionär

Trotzdem bleibt Laughlin optimistisch. Schon heute ist nicht die Erzeugung von Energie das wichtigste Problem, sondern die Speicherung derselben. Er geht davon aus, dass die fossilen Brennstoffe – er nennt sie „herkömmliche Erdöldestillate“ – durch synthetische Triebstoffe ersetzt werden. Anderen Energiespeichern wie Batterien, Brennstoffzellen oder Pumpspeicherwerken rechnet er aus verschiedenen Gründen keine großen Chancen als Zukunftstechnologie aus. Laughlin argumentiert hierbei überzeugend wissenschaftlich rational.

Laughlin setzt seine Hoffnung auf den „homo oeconomicus“, der kalkuliert, plant und hortet. Diesem wäre die Energiewende zuzutrauen. Er berücksichtigt jedoch nicht ausreichend den Menschen als natürliches Lebewesen, wie er es beim Alle gegen Alle des Gesetzes des Dschungels beschreibt. Der Mensch denkt zunächst an die Seinen, die es warm und gemütlich haben sollen.Das Gesetz des Dschungels ist zerstörerisch, aber kaum jemand hört damit auf, schon gar nicht als erster. Zudem wird durch die gigantische und noch immer wachsende Bevölkerungszahl der Erde das Gesetz des Dschungels weiter verschärft.

Laughlin analysiert in „Der Letzte macht das Licht aus. Die Zukunft der Energie“ fundiert die aktuelle Situation. Alleine 470 Fußnoten nehmen 150 Seiten des Buches ein. Am Sachverstand mangelt es nicht. Aber ihm fehlt eine glaubhafte Idee, wie die Welt nach dem Kohlenstoffzeitalter aussehen könnte. Zwar skizziert er in den hinteren Kapiteln „Unter dem Meer“ und „Ein Winterabend“ einige Ideen, diese aber mit einem deutlichen Hang zu Science-Fiction, was im Kontext dieses Buchs ziemlich unpassend wirkt. Laughlin ist eben Wissenschaftler und kein Visionär. Bei Elon Musk wäre dies wohl anders herum.

Insgesamt ist es ein lesenswertes Buch. Eine Pflichtlektüre für alle, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Energieversorgung und generell dem menschlichen Zusammenleben in der Zukunft beschäftigen und eine empfehlenswerte Lektüre für jene, denen nicht vollkommen egal ist, was nach ihnen kommt.


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