Sportdoku: „Ali, bome ye“

„Ali, bome ye“

Über den Dokumentarfilm „When we were Kings“ von Leon Gast

Der Dokumentarfilm „When we were Kings“ erzählt von Muhammad Alis Kampf gegen den Schwergewichtsweltmeister George Foreman im damaligen Zaire, heutigen Kongo. Als „Rumble in the Jungle“ ist der Kampf in die Annalen des Boxsports eingegangen und in der Erinnerung sehr vieler Menschen fest verankert. Die Gründe dafür sind, neben dem sportlichen Ereignis, vielfältig.

Der „Rumble in the Jungle“ ist ein politisches Ereignis

Da wäre der schillernde Box-Promoter Don King zu nennen, der bis dahin eher als Gefängnisinsasse bekannt war. Es wäre auch die enorm hohe Antrittssumme von 10 Millionen Dollar zu berücksichtigen, die niemand aufbringen wollte – außer dem berüchtigten, afrikanischen Diktator Mobutu Sese Seko, der den Kampf als Werbung für sein Land sah. Um den Kampf herum wurde ein schwarzes Woodstock mit James Brown, B.B. King und Miriam Makeba organisiert. Es war das erste sportliche Großereignis in Afrika und somit ein politisches Statement. Als ein eben solches wurde der Boxkampf von dem Vietnamkriegsverweigerer Muhammad Ali genutzt.

„Ich kehre heim, um bei meinen Brüdern zu kämpfen“, sagte der bei den Black Panthers engagierte Ali über den Austragungsort des Kampfes. Der amtierende Weltmeister George Foreman wurde dagegen als US-Patriot wahrgenommen, der nach seiner Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko die Flagge der USA schwenkte und nun einen deutschen Schäferhund hielt – im Kongo ein Symbol der Unterdrückung, weil die belgischen Besatzer eben diese Hunderasse einsetzten. Foreman war der Schwarze, der so sein wollte wie die Weißen. Man nahm an, er würde mit einem schnellen, deutlichen K.O. Alis Karriere beenden.

Ali suchte zur selben Zeit den Kontakt zur Bevölkerung. „Ali, bome ye“, haben sie ihn vor und während des Kampfes angefeuert. Dieser Schlachtruf, „Ali, töte ihn“, mag Muhammad Ali die benötigte Kraft gegeben haben, um als Außenseiter seinen Kontrahenten zu schlagen. Der Dokumentarfilm erzählt die Ereignisse, die sich im Herbst ’74 bis zum Kampf am 30. Oktober 1974 in Kinshasa stattgefunden haben – mit Ali als Protagonist, dessen Perspektive übernommen wird. Dabei gelingt es dem Dokumentarfilm, die genannten Gründe einzufangen sowie das Schwitzen der Zeit und des „Rumble in the Jungle“ für den heutigen Zuschauer erlebbar zu machen.

Einen Oscar für „When we were Kings“

Um diese Themenvielfalt einzufangen ließ Dokumentarfilmregisseur Leon Gast rund 170 Stunden Material aufnehmen. Anschließend brauchte er fast 20 Jahre, um die Aufnahmen zu einem fertigen Film zusammen zu setzen. Zumal einige Interviews erst lange nach dem Kampf gedreht werden konnten, zum Beispiel mit dem Regisseur Spike Lee oder dem gealterten Schriftsteller Norman Mailer, der als junger Mann vor Ort von dem Kampf berichtete. „When we were Kings“ ist der bisher größte Erfolg des Regisseurs und wurde 1997 mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Vollkommen zurecht: Der Dokumentarfilm lebt von der dichten Montage, dem Entertainer Ali und der Musik. Daraus entsteht ein Gemisch, welches die Aufregung um den „Rumble in the Jungle“ in die heutige Zeit transportiert. Man sieht den Film und versteht, was die Menschen bewegt hat. Dem Boxer Muhammad Ali gab der Kampf einen Karriereschub, spätestens da wurde er zu der Ikone, die er heute noch ist. Für Diktator Mobutu ging der Schuss nach hinten los. Im Keller des Stadions, in dem der Kampf ausgetragen wurde, fanden Reporter nicht beseitigte Blutspuren einer Erschießung. Letztendlich hat Ali sogar die Aufforderung „Bome Ye“ zumindest indirekt wahr gemacht. Der bis zu diesem Kampf als unschlagbar geltende Foreman stürzte danach in eine tiefe Depression, kämpfte lange Zeit nicht als Profiboxer und wollte auch nie wieder gegen „The Greatest“ kämpfen.

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