24. November 2020

Eine DVD und drei Orangen – so viel geht schon

Chuwi Mini Book - im Vergleich mit einer DVD
Chuwi Mini Book – im Vergleich mit einer DVD

Test: Chuwi MiniBook Mobile Workstation mit Intel Core m3-8100Y Prozessor, 8GB LPDDR3 RAM, 128 GB SSD und 8 Zoll glänzender FullHD Bildschirm

Bewertung: 4 von 5.

Über Indiegogo hatte ich das „MiniBook“ von des chinesischen Herstellers unterstützt. Es wurde als mobile Arbeitsstation beworben und die reinen Leistungsdaten sprechen dafür: Intel Core m3-8100Y Prozessor, 8GB LPDDR3 RAM (wahlweise 16 GB RAM) und 128 GB SSD Speicher sollten für alle Standardaufgaben reichen, ausgenommen natürlich anspruchsvolle Spiele und Grafikbearbeitung. Bemerkenswert wird das „Chuwi MiniBook“ durch seine sehr kompakten Ausmaße. So wird all die moderne Technik in einem Gehäuse zusammengefasst, welches kleiner ist als viele Tablets und nur wenig größer als manche Handys, am ehesten zu vergleichen mit einer DVD. Der Full HD Touchbildschirm ist gerade mal 8 Zoll groß und das komplette Gerät wiegt nur 660 Gramm, etwa so viel wie drei Orangen.

Wenn man das MiniBook in der Hand hält, ist es beeindruckend, was technisch möglich ist. So viel Technik und Geschwindigkeit in so wenig Materie und Gewicht. Inwiefern das Chuwi MiniBook die eierlegende Wollmilchsau der Computertechnik ist, soll dieser Test zeigen.

ProContra
+ viel Leistung auf wenig Raum– Tastaturlayout gewöhnungsbedürftig und frickelig
+ sehr mobil– Lüfter meist an und laut
+ viele Anschlüsse– sehr kleines Display für längere Arbeiten

Das geht schon gut: Rechenpower, Anschlussvielfalt, Mobilität

Chuwi Mini Book Mobile Workstation
Chuwi Mini Book Mobile Workstation

Ein bisschen unförmig sieht es ja aus, dieses Gerät von Chuwi. Dabei ist es deutlich dem MacBook Pro nachgebildet. Jedoch tut dem Design des Vorbilds die Miniaturisierung nicht gut. Es bleibt schick, wirkt aber nicht ansatzweise so schlicht klar. Ungewohnt ist, dass die Unterseite – Base, wie man neudeutsch sagt – fast dreimal so dick ist wie das Display. Eventuell geht dies kaum anders bei dieser Größe und der verbauten Power. Ein ausgewogenes Äußeres ist dennoch anders.

Auch wenn es am Design noch ein klein wenig hakt, gibt es viele positive Dinge am Chuwi MiniBook. Anders als bei Apples Macbook hat man sich bei Chuwi für ein 360° Yoga Design entschieden, was bedeutet, dass man das Display einmal auf die Tastatur umklappen kann. Das Gerät wirkt dann wie ein großes, dickes Handy. Es ist immer schön, eine solche Option zu haben. In der Realität wird es jedoch kaum Anwendungsfälle dafür geben. Verbaut sind zudem eine Kamera für Videochats, ein Akku mit 26,6 Wh Ladung sowie 2 USB 3.0, ein USB-C, ein Mini HDMI- und ein Kopfhöreranschluss sowie ein Micro-SD-Kartenleser.

Mit dem vollwertigen USB-C Anschluss wird es zudem zum Mittelpunkt eines Arbeitsplatzes mit externer Tastatur, Maus und externem Monitor. Für aktuelle Spiele und hochauflösenden Videoschnitt reicht der Prozessor natürlich nicht, aber es laufen alle Office- und Internetprogramme, die ein normaler Anwender benötigt.

Ein gelungenes Feature ist der digitale Trackpoint als Ersatz für das fehlende Touchpad. Er erinnert an die berühmten „roten Knubbel“ der Thinkpads. Er ist optisch, funktioniert recht präzise und hilft, wenn man keine externe Maus zur Verfügung hat. Das MiniBook kann, was ein richtiger Computer können soll, inklusive der Anschlussvielfalt – und bleibt dabei außerordentlich mobil.

Das geht auch: Display, Handhabung, Stifteingabe

Chuwi Mini Book - als Tablet
Chuwi Mini Book – als Tablet
Chuwi Mini Book - linke Seite
Chuwi Mini Book – linke Seite
Chuwi Mini Book - rechte Seite
Chuwi Mini Book – rechte Seite

Während also die Rechenleistung und somit die Geschwindigkeit des Systems vollkommen befriedigend ist, müssen bei dieser materiellen Kleine bei der Handhabung Abstriche gemacht werden. Ein 8-Zoll-Display passt zwar in die Hosentasche. Aber wirklich bequem arbeitet man lieber nur sehr kurze Zeit daran. Ältere Semester würden das Display als zu klein für Filme und Serien beschreiben. Wenn man aber bedenkt, was heute alles auf dem Handy angesehen wird (wahrscheinlich gibt es nichts, was nicht auf einem Handydisplay flimmert), dann ist das Display mehr als ausreichend. Ansonsten handelt es sich um ein einwandfreies Touch-Display, leider glänzend.

Das Gerät liegt stets angenehm stabil in der Hand oder auch auf dem Schoß und auf dem Schreibtisch sowieso. Durch die im Vergleich zum Display schwere Base ist eine stabile Balance vorhanden. Die Lautsprecher sind zudem erstaunlich gut für die Größe des Geräts, wobei bei Medienkonsum natürlich immer Bluetoothboxen oder Kopfhörer vorzuziehen sind.

Der Stift „HiPen H3 Stylus“ und damit verbunden die Schrifterkennung funktionieren gut. Zwar springt der Cursor während der Eingabe aus nicht erkennbaren Gründen (eventuell eine Hand oder der Handballen), so dass die Texte häufig an ganz anderer Stelle landen als geplant, aber die Eingabeerkennung des Stiftes ist so akkurat, dass Buchstaben und Worte zuverlässig erkannt werden.

Hier hakt es noch: Tastatur, Kühlung

Chuwi Mini Book - die Tastatur
Chuwi Mini Book – die Tastatur

Die Überschrift „So viel geht schon“ deutet an, dass mit dem Chuwi MiniBook im Vergleich zu normalgroßen Notebooks auch Abstriche gemacht werden müssen. Am deutlichsten ist dies bei der Tastatur. Während der Anschlag zwar grundlegend als gut zu bezeichnen ist, wurde das Layout „optimiert“, um möglichst große Tasten auf dieser kleinen Fläche unterzubringen. Darum sind manche Tasten wie Ä, Ö, Ü ganz weggefallen und viele weitere deutlich kleiner ausgeführt als normal. Insbesondere für deutsche Nutzer ist das so entstandene Layout sehr gewöhnungsbedürftig und ergonomisch nicht gut. Ohne lange Eingewöhnung ist kein schnelles Tippen möglich und selbst dann ist blindes, akkurates Schreiben eher unwahrscheinlich. Die unterbrochene Leertaste macht es auch nicht einfacher. Außerdem sind durch das Layout viele lieb gewonnene Tastaturkürzel kaum auszuführen. Immerhin ist eine Hintergrundbeleuchtung integriert.

Richtig störend war der Lüfter, der zumindest in diesem Gerät nahezu ununterbrochen lief und dies in einer ernsthaft unangenehmen Lautstärke und Tonhöhe. Es ist nicht auszuschließen, dass dies in der Zwischenzeit per Software- oder Bios-Updates behoben wurde. Aber ohne ein solches Update ist an angenehm ruhiges Arbeiten nicht zu denken, selbst Musik hören oder Filme schauen wird dadurch empfindlich gestört.

Fazit

Chuwi Mini Book mit Zubehör
Chuwi Mini Book mit Zubehör

Alles in allem bekommt man mit dem Chuwi MiniBook-Mobile Workstation für rund 550 € ziemlich genau das, was man von diesem Gerät erwartet: solide Verarbeitung, lächerlich geringes Gewicht, hervorragende Kompaktheit und somit herausragende Mobilität. Überhaupt ist vieles erstaunlich gut für die gegebene Größe. Das heißt jedoch nicht, dass es letztlich ausreichend ist. Man erhält auch all die zu erwartenden Schwächen: weder das kleine Display noch die zu kleine Tastatur laden zu längerem, konzentrierten Arbeiten ein. Für den Medienkonsum wünscht man sich ebenfalls ein größeres Display. In der aktuellen Aufmachung ist das Chuwi MiniBook zwar interessant, aber letztlich doch ein ziemliches Nischenprodukt.

Im Test wurden also Grenzen sichtbar. Während die technische Grenze immer weiter verschoben wird, sind wir Menschen für diese Art der Miniaturisierung zu groß gebaut – unsere Hände sind zu klobig, die Augen nicht präzise genug. Scheinbar existiert hier also eine Grenze, die nicht einzureißen ist – bis sie doch jemand einreißt, wie damals Steve Jobs mit dem iPhone.

Chuwi MiniBook-Mobile Workstation – die wichtigsten Daten

• Intel® Core™ m3-8100Y Prozessor
• 8GB LPDDR3 Memory
• 128GB SSD Speicher
• 8.0 Zoll 16:10 FHD Touchscreen, glänzend
• Intel UHD 615 Grafik
• Englisches Tastaturlayout mit Hintergrundbeleuchtung
• Supports M.2 SSD Expansion
• Anschlüsse: voll funktionsfähiger USB-C, 2 x USB-A, Mini HDMI, Kopfhöreranschluss
• WiFi: Intel 3165 für     2.4G/5G
• 2.0 MP Front Camera
• 26,6 Wh Akku
• 360° Yoga Design

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